Alleinerziehend, Beziehung und Bindung, mehr Gelassenheit
Kommentare 4

Mein Kind klammert und weicht nicht von meiner Seite – wieso das so ist und was die Antwort der Natur dazu ist

Kind klammert extrem an MamaZitatquelle

Mein Kind klammert extrem an Mama, berichten mit Eltern immer wieder. Schnell sorgen sie sich, weil ihr Kind zu sehr klammert. Da schwebt immer diese Angst mit, das Kind würde nie selbstständig werden.

Was, wenn mein Kind viel zu lange an mir klammern wird? Was wenn es niemals selbstständig in die Welt hinausgeht?

Leider wurde unser Verhältnis zum Thema Selbstständigkeit von Kindern durch die aktuell vorherrschende verhaltensorientierten Ansätze sehr geprägt.

Ich wünsche mir, das wir endlich wieder auf die Natur vertrauen und völlig normale und gesunde Verhaltensweisen als natürlich hinnehmen.

Nicht das Verhalten ist das Problem, sondern die falschen Erwartungen.

Kinder zu früh in die Selbstständigkeit zu schubsen, oder wie viele Erzieherinnen das nennen würden „zu fördern“ geht für mich in die falsche Richtung.

Die Natur hat ihren Plan und der kann sich eben nur entfalten, wenn unsere Kinder nicht allzu viele Hindernisse in den Weg gelegt bekommen.

Ein Kind bewegt sich in die Selbstständigkeit, wenn der Heimathafen sicher ist und es Zeit hatte eine tiefe Bindung zu entwickeln. Das braucht aber Zeit. Ein 3-Jähriges Kind ist noch sehr oberflächlich gebunden und kann mit Trennungen von der Hauptbezugsperson noch nicht gut umgehen.

Im Leben eines Kindes gibt es immer wieder Phasen, die ihm Angst machen, in denen es unsicher ist.

Alleine die Tatsache, größer zu werden ist bereits Grund genug, um sich an Mama zu klammern.

Denn zu realisieren, dass sie doch nicht Teil von uns sind, sondern eigenständige Wesen, die auch ohne Mama hin und wieder zurechtkommen werden, kann schon beängstigend sein.

Bei uns kommen solche Phasen immer wieder vor bedeutenden Entwicklungsstufen. Erst vor kurzem fing meine Tochter an zu schwindeln – ihre Lieblingsbeschäftigung aktuell. Davor war ihr gar nicht klar, dass ich nicht automatisch alles weiß, was sie auch weiß. „Theory of mind“.

Vor diesem Schritt hatten wir eine Phase, in der sie intensiv an mir geklammert hat. Das ist nicht immer leicht, vor allem weil ich so ziemlich alleine bin und wirklich alles auffangen muss. Aber mit dem Wissen dahinter fällt es mir wesentlich leichter auf ihre Bedürfnisse nach Nähe und Sicherheit einzugehen.

Ist ihre Bezugserzieherin krank oder geht es ihrem Papa nicht so gut, kommt ihr sicherer Hafen ins Wanken. Zu sehen, dass auch Erwachsene nicht immer stark sind macht ihr sehr zu schaffen. Es beunruhigt sie, wenn sie merkt, dass es mir nicht gut geht und dann weicht sie mir nicht mehr von der Seite.

Am Wochenende ist sie wesentlich entspannter und spielt auch mal alleine. Hole ich sie aber nach 6,5 Stunden vom Kindergarten ab, brauchen wir erst wieder Stunden zusammen um ihr Bedürfnis nach Nähe zu sättigen.

Ich kann ja nicht erwarten, dass ein Kind, das den halben Tag von seiner Hauptbezugsperson getrennt war, dann auch noch am Nachmittag freiwillig auf die Aufmerksamkeit verzichtet.

Wenn du wie ich alleinerziehend bist, kann natürlich auch die Trennung vom anderen Elternteil phasenweise bewirken, dass dein Kind klammert.

Wie du dein Kind gut durch die Trennung begleiten kannst, darum geht es in meinem E-Book:

Es gibt so viele Gründe, warum ein Kind plötzlich diese Unsicherheit fühlt.

Die Stimmung im Kindergarten, ein paar Monate vor der Einschulung ist so alarmierend, dass selbst ich, als Erwachsene dies regelrecht spüren kann.

Da kommt eine große Veränderung auf alle Beteiligten zu und das kann schon mal dazu führen, dass ein Kind wieder stärker klammert.

Bevorstehende Trennungen sind so ziemlich das beängstigendste, was ein Kind erleben kann. Sie haben dafür ganz feine Antennen.

Aktuell verhält sich meine fast 5-Jährige Tochter ständig wie ein Baby und ich muss all mein Verständnis und all meine Geduld zusammennehmen um es zuzulassen.

Das Verhalten interpretiere ich ebenfalls als eine Art des Klammerns. „Mama, ich will dein Baby sein!“, denn alles andere ist so unsicher und so unbekannt.

Sie will ständig die Geschichten darüber hören, wie sie als Baby war und es gefällt ihr ungemein zu hören, dass sie immer mein Baby sein wird, ganz egal wie groß sie ist. Das gibt ihr etwas Sicherheit und beruhigt sie.

Die Antwort der Natur ist das Wachsen der Bindungswurzeln in die Tiefe. Je tiefer die Bindungswurzeln, desto „freier“ wird ein Kind, selbstständiger zu werden. Aber diese Wurzeln brauchen Zeit. Zeit, die unsren Kindern leider häufig nicht mehr gegeben wird.

Das einzige, was bei uns in Zeiten des Klammerns und des offensichtlichen Alarms hilft, ist es mehr Sicherheit, Geborgenheit und Aufmerksamkeit anzubieten als benötigt wird. Das ist oft nicht leicht, aber alles andere klappt bei uns zum Glück nicht, denn genau das ist es, was mein Kind braucht.

4 Kommentare

  1. Hedwig Knittel sagt

    Danke für diesen Artikel der hat mir sehr geholfen. Ich bin alleinerziehende Mutter habe auch keine Eltern das heißt ich mache wirklich alles alleine und es kommt sehr oft vor dass meine Tochter zehn bis elf Stunden im Kindergarten war bzw jetzt in der Schule ist. Im September hatten wir die Einschulung und seitdemklammert sie fürchterlich und bittet mich weinend – Mama ich kann nicht mehr ohne dich sein bitte verlass mich nicht, bitte bleib bei mir. Z.b. wenn ich sie in der Früh in die bringe. Dazu kommt jetzt auch noch der Umzug in unsere neue Wohnung. Jetzt im Nachhinein eigentlich einleuchtend.
    Danke für deinen Artikel jetzt fühle ich mich etwas leichter und habe auch ein Gefühl wie ich mit ihr besser umgehen kann bzw wie ich besser auf sie eingehen kann.
    Danke

    • Danke für deine Rückmeldung, Hedwig. Das ist ja ganz schön viel für dein Kind im Moment. Der Übertritt zur Schule alleine kann schon Trennungsängste auslösen. Es freut mich ,dass dir der Artikel etwas geholfen hat. Ich drück euch die Daumen, dass dein Kind sich schnell im neuen Alltag wohlfühlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.