Hilfe- mein Kind ist so anhänglich, höre ich gerade von Eltern mit Kleinkindern immer wieder.

Kinder, die den Eltern nicht eine Sekunde von der Seite weichen und sie ununterbrochen fordern und beanspruchen, können die Geduld ganz schön herausfordern.

Es ist sehr anstrengend, den Bindungshunger eines Kindes zu stillen, das anscheinend nie genug zu bekommen scheint. Aber was steckt dahinter?

Wieso sind manche Phasen so anspruchsvoll und andere wieder weniger?

Wieso scheinen manche Kinder ohne Probleme in die Welt zu ziehen und andere verstecken sich mit 6 Jahren noch hinter Mama.

Es gibt natürlich viele Erklärungen dafür, wenn ein Kind klammert oder sich einfach nicht alleine beschäftigen kann.

An manchen Tagen hechele ich den ganzen Tag hinter den Forderungen meiner 5-Jährigen Tochter hinterher.

Ich schaffe es einfach nicht, sie zur Ruhe zu führen. Es scheint unmöglich, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich fallen lassen und entspannen kann.

So dankbar bin ich für die letzte Woche Ferien zu Hause. Erst wollte ich mit ihr in den Schnee fahren, nur um nicht eine komplette Woche 24/7 alleine verantwortlich zu sein.

Die letzten Ferien alleine zu Hause bei dem Wetter verliefen alles andere als entspannt.

Desto überraschter schaue ich auf ein paar wirklich entspannte und schöne Tage zurück.

 

 

Es ist nämlich so:

Kommt meine Tochter aus dem Kindergarten zurück, in der Regel nach 6,5 Stunden hängt sie den lieben langen Tag an meinem Rockzipfel.

Ich schaffe es einfach nicht, ihren Hunger nach Bindung zu sättigen. Da Kinder jedoch nur zur Ruhe kommen, wenn mehr angeboten als gebraucht wird, ist meine Tochter an manchen Tagen einfach sehr unruhig. Ohne echte emotionale Ruhe- kein echtes Spiel.

In den Ferien habe ich es so oft geschafft, ihr diesen Raum zu eröffnen. Morgens nach dem Aufstehen erst Zeit zu zweit. Zeit für Spiel. Der überraschte Blick meiner Kleinen als ich sie fragte, ob sie mit mir spielt – unbezahlbar.

 

 

Seien wir doch mal ehrlich:

Meist läuft es doch andersherum. Kind kommt: „Mama, spielst du mit mir?“ Mama spielt mit, selten begleitet von einem Freudenschrei.

Es ist einfach etwas komplett Anderes, ob Eltern Bitten erfüllen oder dem Kind zuvorkommen.

Mein Kind zu fragen, ob es mit mir spielt und danach etwas bastelt signalisiert ihm etwas total Anderes als wenn es mich um alles bitten muss.

So ist es mit vielem. Ein liebevoll hingestelltes Glas Wasser, weil das Kind Durst haben könnte (Eltern spüren so etwas) bringt so viel mehr Liebe und Geborgenheit rüber als ein Glas Wasser, das auf ein „Ich hab Durst Mama!“ augenverdrehend hingestellt wird.

 

Das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit wird viel eher gestillt, wenn wir unserem Kind zuvorkommen. Wenn wir spüren, was es braucht und es ihm anbieten, bevor sie es einfordert.

So geschah es nun in den letzten Wochen häufig, dass meine Tochter verkündete: „So, und nun will ich mal alleine spielen, Mama. Keine Lust mehr!“

Das kommt an Kindergartentagen kaum vor. Klar, sie ist völlig „ausgehungert“ und muss ihren Nähe-Tank erstmal wieder auffüllen. Auch wenn sie sehr gerne in den Kindergarten geht und ihre Erzieherinnen ihr sehr am Herzen liegen.

Mama ist eben den Vormittag über nicht da und dieses Bedürfnis nach Mama ist am Nachmittag verstärkt zu spüren.

Aber auch an solchen Tagen hilft es, ihr zuvorzukommen. Morgens sage ich ihr schon, wie sehr ich mich freue, sie am Nachmittag abzuholen.

Dass ich sie ganz fest rücken werde und es kaum abwarten kann ihr zu Hause auf dem Sofa ein Buch vorzulesen. Es gelingt mir nicht immer, ihren Forderungen zuvorzukommen.

 

In manchen Phasen scheint sie vor Forderungen geradezu überzulaufen.

Alle zwei Minuten möchte sie etwas Anderes. Sie sagt mir dann auf Schritt und Tritt was ich tun soll. Dabei ist sie in der falschen Rolle – sie übernimmt die Verantwortung und sagt mir, was zu tun ist.

Es ist eindeutig zu spüren, dass sie sehr im Mangel ist und mit allen Mitteln „versucht“ ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Nun ging der der Kindergarten wieder los. Meine Tochter hat sich sehr darauf gefreut. Sie vermisst ihre Erzieherin. Ich bin gespannt, ob unser Alltag so entspannt bleibt wie in der letzten Woche oder ob ich wieder ununterbrochen damit beschäftigt sein werde, die Lücken zu füllen, die eine solch lange Trennung nun mal mit sich bringt.

Ich bin optimistisch. Je tiefer die Bindung, desto besser können Kinder mit Trennungen umgehen, weil sie mehr Möglichkeiten haben, an ihren Lieben festzuhalten.

Jetzt mit 5 Jahren ist es auch schon viel entspannter als noch mit 4, 3 oder sogar 2 Jahren.

Ich kann dich nur ermutigen, deinem Kind zuvorzukommen. Seine Bedürfnisse zu erspüren und ohne viel Gerede zu erfüllen- am besten bevor es fordernd wird.

Oft ist das WIE viel entscheidender als das WAS und WIEVIEL.