Alleinerziehend, Beziehung und Bindung
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Die Sorgen einer Alleinerziehenden – Aus dem Alltag einer alleinerziehenden Mama

Die Sorgen einer Alleinerziehenden sind vielfältig.

Irgendwie fühlt es sich so an, als hätte ich doppelt so viele Sorgen, wie Mütter die nicht alleinerziehend sind. Keinen verlässlichen Ort zu haben, an dem ich die Sorgen einer Alleinerziehenden zuverlässig teilen, und damit halbieren kann, kommt erschwerend dazu.

Klar, da sind die ganz alltäglichen Sorgen. Was, wenn ich mal ausfalle oder das Kind krank wird und ich aber eigentlich arbeiten müsste. Zum Glück muss ich mir aktuell keine Sorgen um finanzielle Aspekte machen. Wobei die Angst, meine Mietwohnung zu verlieren, sitzt mir doch oft im Nacken.

Was, wenn meine Tochter in der Pubertät zu so einem unausgeglichenem Menschen wird wie ich es war?

Wie soll ich das alleine schaffen?

Ist es nicht heute schon herausfordernd genug, mit meinem kleinen, temperamentvollen Menschen. Vielleicht wird es mir aber auch helfen, dass ich mich selbst in ihr sehe. Schließlich kann ich nachempfinden, wie es ihr geht.

Trotzdem, das macht mir manchmal Sorgen. Dann ganz alleine dazustehen mit, was auch immer da kommen mag. Einen kleinen Vorgeschmack bekomme ich aktuell schon, in der Wackelzahnpubertät. Auch wenn ich den Begriff nicht mag. Seitdem meine Kleine 8 Jahre alt ist, ruckelt es bei uns wieder ganz schön.

Es dauert dann immer eine Zeitlang, bis ich mich auf die vielen Veränderungen eingestellt habe.

Ich hänge da eindeutig hinterher. Hänge an den alltäglichen Sorgen einer Alleinerziehenden und habe Mühe, mich anzupassen.

Denn das ist es doch irgendwie. Das Begleiten von kleinen Menschen, gerade nach einer Trennung, erfordert von uns Müttern eine große Flexibilität. Manchmal stehen die Kinder morgens auf und es scheint, als hätten sie sich über Nacht in einen neuen Menschen verwandelt. Da ist nicht mehr viel, vom dem, was gestern noch war. Ich übertreibe, eh klar! So fühlt es sich aber eben manchmal an.

Ein Grund zum Feiern, eigentlich, nur komme ich oft nicht  hinterher. Bis vor kurzem war hier eher die Zurückhaltung und Verletzlichkeit meiner Kleinen ein großes Thema. Sie wurde ausgegrenzt und hat sich vieles zu Herzen genommen. Und da darf ich alle Eltern nochmal ermutigen, sich einzumischen. Auch Kinder im Grundschulalter brauchen Hilfe bei ihren sozialen Interaktionen.

Sie können das noch nicht, sondern lernen von Erwachsenen. Wenn diese aber nie dabei sind, wird das nichts. Hier hat sich die angespannte Situation nun aufgelöst und die Kinder, die sie vor kurzem noch ausgeschlossen haben, klingeln mittlerweile täglich und fragen, ob meine Tochter zum Spielen rauskommt.

Ohne die vielen Sorgen und meine Einmischung, hätte sich die Situation anders entwickelt.

Aber da gibt es eine Sorge, die viele Alleinerziehende herumtreibt und über die wir nicht gerne sprechen. Eier ich deswegen schon seit über einer Seite herum?

Deswegen schreibe ich jetzt darüber. Ich schreibe darüber, ohne dir eine Lösung anbieten zu wollen. Vielleicht tut es gut, die Sorge, die viele Alleinerziehenden mit sich herumtragen, zu thematisieren. Du bist damit nicht alleine!

Es ist ja so, dass ich mittlerweile jeden Geburtstag einfach nur noch dankbar bin. Dankbar dafür, dass es mich noch gibt und dass ich gesund bin. Dass es mir möglich ist, meine Tochter gut ins Leben zu begleiten. Und dann rechne ich heimlich still und leise in meinem Kopf aus, wie viele Geburtstage ich mindestens noch erleben möchte/muss/darf, bis meine Tochter auf eigenen Beinen steht. Ich weiß, das hört sich grausam an. Aber die größte Sorge vieler alleinerziehenden Mamas ist es, nicht mehr da sein zu können.

Was geschieht dann mit meinem Kind? So jetzt ist es raus. Das ist die größte Sorge, die ich tagtäglich mit mir herumtrage. Natürlich ist sie nicht immer präsent, aber sie ist da. Bei jedem Vorsorgetermin beim Arzt und immer dann, wenn ich traurige Schicksale im Bekanntenkreis mitbekomme.

Immer dieser Gedanke und das Rechnen.

Im Juli hat meine Tochter die Hälfte ihrer Kindheit hinter sich, dann wird sie neun. Sie ist dann also halb Erwachsen. Aber auch mit 18 wird sie ihre Mama brauchen. Ich bin 42 und brauche meine Eltern.

Und da kommt dann oft die Wehmut, dass da eben doch nur ein Elternteil ist, auf den sie sich im Alltäglichen verlassen kann. Angestrengt gehe ich dann im Kopf ihr Bindungsnetzwerk durch und stelle fest, dass es da Menschen gibt, denen sie wichtig ist und die da sein werden, wenn sie können. Aber die sind eben nicht ich.

Und so achte ich gut auf mich, verdränge den Gedanken und rechne.

Und hoffe, dass ich einfach noch ganz lange für sie da sein darf. Denn das ist mir letztendlich das Wichtigste überhaupt. Um diese Sorge einer alleinerziehenden Mama nicht den Alltag graufärben zu lassen, kümmere ich mich um den dicken, fetten Ordner, der nun schon seit einem Jahr in meinem Schrank steht. „VORSORGE“ ist in großen Buchstaben darauf geschrieben.

Nein, das macht keinen Spaß und nein, ich will mich damit nicht auseinandersetzen. Da ist aber ein kleiner Mensch, der zu 99% von mir abhängig ist und der es einfach verdient, dass für alle Eventualitäten vorgesorgt wurde.

So, genug von den Sorgen einer Alleinerziehenden. Jetzt setze ich erstmal meine Kopfhörer auf und höre unglaublich laut ein Gute-Laune-Lied. Denn diese traurigen Gedanken dürfen jetzt erstmal weiterziehen. Bye bye!

Welche Gedanken hast du zu dem Thema? Lass mir doch einen Kommentar da. Bin ich allein mit der Angst?

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