Alleinerziehend, Beziehung und Bindung, mehr Gelassenheit
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Wie kann ich meinem Kind helfen, die Trennung zu verarbeiten?

Eine, der ersten Fragen, mit denen Alleinerziehende mich kontaktieren, ist: Wie kann ich meinem Kind helfen, die Trennung zu verarbeiten?

Wenn ich zurückdenke, war auch meine größte Sorge die, dass mein Kind einen bleibenden Schaden davontragen, und niemals mehr glücklich werden würde.

Doch es kam irgendwie ganz anders. Viele Probleme, die ich befürchtet habe, sind so nie eingetreten. Und letzten Endes wurden durch die Trennung mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viele potentielle Schäden verhindert.

Was sage ich denn nun Mamas, wenn sie mich fragen, wie sie ihr Kind am besten durch die Trennung begleiten oder wie sie ihrem Kind helfen, die Trennung zu verarbeiten?

Pauschale Lösungen gibt es hierfür natürlich nicht. Jede Familienkonstellation ist anders, das Beziehungsgeflecht um das Kind herum spielt eine große Rolle und ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Jede Trennung verläuft in ganz eignen Bahnen und der Kontakt zu den Elternteilen danach variiert natürlich auch.

Prinzipiell gibt es aber ein paar Punkte, die es den Kindern erleichtern können, mit der Trennung der Eltern klarzukommen.

Was dir gut tut, tut deinen Kindern gut

Was dir gut tut meistens auch deinen Kinder gut. Deine Kinder wollen dich als entspannten, fröhlichen, authentischen Menschen um sich herumhaben. Also rücke dich ohne schlechtes Gewissen regelmäßig in den Fokus. Ich weiß, mit kleinen Kindern scheint das unmöglich. Trotzdem finde ein paar kleine Ruheoasen in deinem Alltag. Mein Lieblingsplatz in den ersten acht Lebensjahren meiner Tochter war die Nestschaukel auf dem Spielplatz. Am Nachmittag konnte ich mir dort wunderbar die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen, während meine Tochter im Sand gespielt hat.

Eigene Gefühle zulassen und einladen

Schwäche zeigen ist ganz sicher ok, trotzdem sollten deine Kinder nie das Gefühl verlieren, dass du stark an ihrer Seite stehst und ihr gemeinsam durch diese Herausforderung gehen werdet. Es ist ein schmaler Grad zwischen Gefühle zeigen und den Kindern Angst machen, ihnen den Fels in der Brandung an ihrer Seite zu nehmen.

Solltest du selbst nicht stark genug sein, deinen Kindern Zuversicht und Sicherheit zu geben, hol dir Hilfe. Nimm so viel Hilfe in Anspruch wie du nur findest. Du musst nicht alles alleine schaffen. Ideal ist natürlich, wenn zuvor bereits ein verlässliches Netzwerk da war.

Wenn tagsüber für deine Gefühle kaum Raum ist, versuche, abends eine Routine zu entwickeln, die dir guttut. Bei mir ist das Journaling, also Aufschreiben meiner Gedanken. Oft kostet es Überwindung, abends den Fernseher auszulassen um mich teilnahmslos auf die Couch zu knallen. Aber meistens lohnt es sich.

Allen Gefühlen der Kinder Raum geben

Das ist eine herausfordernde Aufgabe. Kinder drücken ihre Gefühle ungefiltert aus, das kann schon mal heftig werden. Dabei die Nerven zu behalten und da zu sein, ist nicht einfach. Wenn du, so wie ich ein gefühlsstarkes Kind hast, dann können da schon mal die Fetzen fliegen. Oft hatte ich schon Angst, die Nachbarn könnten die Polizei rufen, so wurde hier manchmal gewütet, was völlig verständlich ist. Emotionen sind laut und chaotisch.

Manche Kinder ziehen sich auch in sich zurück und sind unauffällig. Das heißt aber nicht, dass sie sich weniger brauchen als das laut wütende Kind.

Deinen Kindern Wege zeigen, an ihre Emotionen heranzukommen

Kinder sind sich oft gar nicht bewusst, wie sie sich eigentlich fühlen. Dann kommt ein kleiner Tropfen dazu und das Fass explodiert. Spiel kann hier ein wunderbares Plumpsklo (Gordon Neufeld) der Emotionen sein. Im Spiel können Kinder schwierige Emotionen zulassen, die im eigenen Leben viel zu schmerzhaft sind. Mit Stofftieren spielen, Geschichten erfinden, Bilder malen,

Jedem die eigenen Gefühle zugestehen

Mir hat mal eine Freundin gesagt, jeder Mensch habe das Recht auf eigene Gefühle. Da hab ich mich direkt ertappt gefühlt. Wie oft dachte ich schon, meine Tochter müsste aber doch traurig sein. Für mich als Erwachsene war die Situation sehr traurig, aber sie nahm das ganz anders wahr. Ihr ständig “einzureden”, dass sie traurig sein darf, hat da nicht gerade geholfen. Kinder kommen zu uns, wenn sie sich sicher fühlen und den Bedarf verspüren. Natürlich auch nur, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Bealstungen für uns nicht zu viel sind. Wenn wir ihr Fels sein können und ihre Sorgen tragen können.

Netzwerk zur Verfügung stellen

Die Menschen um euch herum sind das A und O. Kinder brauchen, gerade in schwierigen Situationen aber auch in allen anderen unbedingt fürsorgliche, verlässliche erwachsene Personen, die sich um sie kümmern, die für sie da sind. Oft ist dieses Netzwerk nach der Trennung nicht schon vorhanden. Geb dir hier Zeit, das wächst nicht von heute auf morgen.

Da sein – genügt erstmal

Deine Kinder müssen spüren, dass sie gut aufgehoben sind. Dass sich wenigstens ein Mensch bedingungslos ihrer annimmt. Wenn das beide Elternteile sind, umso besser. Aber auch wenn du mit der ganzen Verantwortung alleine dastehst, gibt es Wege, glücklich und gelassen in eurer Ein-Eltern-Familie zu leben.

Externe Hilfe darf sein

Wenn du und euer Netzwerk euch nicht in der Lage seht, die Kinder gut durch die Trennung zu begleiten, dann ist es sicher hilfreich, den Kindern professionelle Hilfe zur Seite zu stellen. In manchen Städten gibt es auhc extra Angebote für Kinder in Trennungssituationen. Ein Anruf bei der Caritas o.ä. lohnt da sicher und kostet nichts.  Manchmal braucht es da gar nicht viel, um einen echten Unterschied im Wohlbefinden deiner Kinder, und somit eurer Ein-Eltern Familie zu machen.

Die Situation annehmen und so dem Kind helfen, die Trennung zu verarbeiten

Viele alleinerziehende Mamas werden von einem schlechten Gewissen geplagt und fühlen sich als Versagerinnen. All das, was sie ihren Kindern gerne geboten hätten, scheint nicht mehr möglich zu sein. Je früher du dich von dem vermeintlichen Idealbild löst und die Situation so annimmst, wie sie ist, desto eher kommen deine Kinder mit der Trennung klar. Es ist heute nichts Ungewöhnliches, wenn Eltern sich trennen. Kinder können damit ganz wunderbar zurechtkommen, wenn wir es können. Wütend sein, trauern, annehmen, Bestandsaufnahme, weitermachen…das alles braucht Zeit und ist sicher ein Prozess.

Irgendwann wirst du vielleicht zurückblicken, und stolz darauf sein, was du alles geschafft hast.

Offen sein

Bei mir hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich Menschen davon erzählt habe, dass ich Alleinerziehende bin. Das hat es für meine Tochter nicht leichter gemacht. Sie war zwar erst zwei Jahre alt, als ich mich getrennt habe, aber das Zögern und mein Schamgefühl, das ich mit mir herumgetragen habe, hat sie ganz sicher gespürt. Heute trete ich ganz selbstbewusst auf und erwähne am liebsten ziemlich früh, dass ich alleinerziehend bin. So erspare ich mir einige Gesprächsthemen, die mich einfach auch gar nicht interessieren.

Es gibt noch ganz viele Dinge, die du tun kannst, um deinen Kindern zu helfen, die Trennung zu verarbeiten. In der ersten Zeit reicht es aber, dich um dich zu kümmern, für die Kinder da zu sein, so gut du das kannst und allen Gefühlen Raum zu geben. Verbindung darf ganz oben stehen, alles andere kommt später.

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