Beziehung und Bindung
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Was brauchen denn Kinder nun eigentlich?

Woran misst man eigentlich den Erfolg eines Lebens? Kann ein Leben überhaupt erfolgreich sein? Oder kann es nicht viel eher gelungen sein? Und was ist gelungen? Mit diesen Fragen eröffnet Gerald Hüther seinen Vortrag „Starke Eltern – Starke Kinder“.

Ein interessanter Aspekt ist auch, dass es das Wort „gelingen“ in vielen Sprachen gar nicht gibt.

Erfolgreich kann jedoch in die meisten uns bekannten Sprachen übersetzt werden. Aber etwas erfolgreich machen..…ist etwas, das man TUT.

Um festzustellen, ob etwas gelungen ist, müssen wir ein Bild davon haben, wie es ausieht, wenn es gelungen ist – eine Orientierung.

Gelingen kann man nicht machen. Zum Gelingen kann man nur die Voraussetzungen schaffen, die benötigt werden.

Prof. Hüther führt das Beispiel Kuchenbacken an. Alle benötigten Zutaten hinzuzufügen, führt noch lange nicht zu einem gelungenen Kuchen. Ein Kuchen, der mir heute prima gelingt, gelingt mir übermorgen vielleicht gar nicht.

Eine Kindheit kann gelingen, ein Leben kann gelingen. Es kann aber nicht dazu gemacht werden. Und genau das ist mein Verständnis von “Erziehung”. Wir können als Gesellschaft nur dazu beitragen, dass die Kinder das haben, was sie brauchen.

Denn nur dann können sie auch wirklich spielen. Und wie wir heute alle wissen, lernt das Kind beim richtigen Spielen. Und damit sind nicht vorgefertigte Spielzeuge gemeint, denn das ist meist nicht Spielen.

Aber was braucht denn nun ein Kind neben der Stillung der physischen Bedürfnisse?

Dies fasst der Neurobiologe ganz plausibel zusammen. Es braucht einerseits:

Nähe, Verbundenheit, Zugehörigkeit

(daraus kann dann auch das Heimweh entspringen)

und andererseits

Autonomie, Selbstbestimmung, Freiheit

(Fernweh ist ein Begriff, den viele für diese Sehnsucht später im Leben benutzen)

Ihr erahnt schon die Schwierigkeit, diese Bedürfnisse in der heutigen Umgebung zu befriedigen. Einerseits hätten wir gerne ein Kind, dass selbstbewusst und selbstbestimmt ist. Andererseits wünschen wir uns, dass es auf uns hört. Beides gleichzeitig geht nun nicht immer.

Wenn wir merken, dass ein Kind nicht mehr frei und unbekümmert spielen kann, dann können wir daran merken, dass es ihm nicht gut geht. Irgendwas ist in seiner Welt nicht in Ordnung. Und es liegt im Ermessen der Erwachsenen, eine Situation herzustellen, in der es dem Kind gutgeht.

Ein Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist und der für mich so vieles auf den Punkt bringt ist dieser:

„Man darf einen anderen Menschen nicht zu dem Objekt unserer Maßnahmen machen. Man muss ihm begegnen.“

(Gerald Hüther)

 

 

 

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