Vater will Wechselmodell, Mutter nicht

 

Grundsätzlich ist es schwierig, ein Wechselmodell gut umzusetzen, wenn ein Elternteil sich das Wechselmodell wünscht, der andere aber nicht.

Und dennoch kann es passieren, dass ein Gericht der Familie das Wechselmodell auferlegt, auch wenn nur der Vater dieses Modell will, die Mutter aber nicht.

Eltern sollten alles daran setzen, sich bei der Entscheidung und Einigung Unterstützung zu holen und es nicht darauf anzulegen, die Entscheidung von einem Gericht treffen zu lassen.

Leider müssen dazu beide bereit sein. Manchmal kommt es dann doch zu einer Entscheidung durch das Gericht.

Wenn du es schaffst, den Blick auf dem Wohl des Kindes zu behalten und dies auch nach außen glaubhaft machen kannst, hast du die besten Chancen, ein Wechselmodell zu verhindern.

Dieser Artikel hilft dir herauszufinden, was die Voraussetzungen für ein Wechselmodell sind.

Mein E-Book „Trennung mit Kindern unter 7“ liefert dir weitere Argumente für oder gegen ein bestimmtes Umgangsmodell.

Gerade bei kleinen Kindern (Klein-, Vorschul- und Grundschulkindern) macht es meist Sinn, die Betreuungssituation vor der Trennung zu berücksichtigen.

Wer hat sich vor der Trennung wie lange und wie oft gekümmert? Wer sind die Hauptbindungen?

Welche Gründe sprechen für die Mutter gegen ein Wechselmodell und weshalb möchte der Vater unbedingt das Wechselmodell?

Kommt vielleicht auch erstmal ein asymmetrisches Wechselmodell in Frage, bis das Kind sich in der neuen Situation zurechtgefunden hat?

 

Asymmetrisches Wechselmodell

 

bedeutet in dem Zusammenhang, dass das Kind die Zeit nicht zu gleichen Teilen bei den beiden Elternteilen verbringt, sondern eben 30:70 oder so ähnlich.

„Wer entscheidet das Wechselmodell?“ werde ich öfters gefragt.

Grundsätzlich entscheiden die Eltern, welches Betreuungsmodell sie umsetzen möchten. Kommen jedoch beide Elternteile nicht zu einer Einigung, wird ein Gericht entscheiden müssen.

Gründe, die gegen ein Wechselmodell sprechen gibt es sicher viele. Genauso viele, wie es in bestimmten Situationen Gründe dafür gibt.

Streit um Wechselmodell

Deswegen muss jede Situation ganz individuell betrachtet werden.

Wenn ein Kind in den ersten Jahren in etwa in gleichen Teilen von Mutter und Vater versorgt wurde und zu beiden eine tiefe, verlässliche Bindung aufgebaut hat, kann ein Wechselmodell auch in jungen Jahren gelingen.

Der Wechselrhythmus sollte auf das Kind abgestimmt werden.

Wurde das Kind jedoch hauptsächlich von einem Elternteil versorgt, und hat den anderen nur am Abend oder noch seltener gesehen, macht es Sinn, den Transfer in die neue Familienkonstellation langsam anzugehen.

 

Dem Kind so viel Kontinuität zu erhalten wie möglich.

 

Für kleine Kinder (Kinder unter 5/6/7) sind längere Trennungen von der Hauptbindung mit Übernachtungen oft noch schwer umzusetzen.

Eine Beratung kann hier die Elterneile eventuell in der Kommunikation unterstützen.

Bei der Entscheidung für ein Wechselmodell sollte also unbedingt berücksichtigt werden, wer sich bisher um die Bedürfnisse des Kindes gekümmert hat.

Gerade kleine Kinder brauchen hier Kontinuität und sollten nur langsam an neue Lebenssituationen herangeführt werden.

Ein Grund, der sicher gegen ein Wechselmodell spricht sind die Wohnorte.

Schon kleinere Entfernungen können ein Wechselmodell erschweren. Spätestens im Kindergartenalter spielen Kinder nachmittags auch mal mit ihren Freunden, gehen Vereinsaktivitäten nach oder haben andere Routinen.

Erlauben die Wohnorte beider Elternteile, dass das Kind seinen gewohnten Tätigkeiten nachgeht?

Unterschiedliche Wohnorte beim Wechselmodell können große Schwierigkeiten bereiten.

 

Gute Kommunikation- das A und O

 

Wenn die Kommunikation zwischen den Eltern schwierig ist und Kooperation kaum möglich, ist ein Wechselmodell selten im Sinne des Kindes.

Dieses Modell benötigt eine gute Absprache zwischen den Eltern und einen respektvollen Umgang zwischen den Elternteilen.

Und dennoch kenne ich Familien, in denen gegen den Willen eines Elternteils das Wechselmodell angeordnet wurde und das Wohl des Kindes offensichtlich aus dem Fokus gerückt ist.

Wenn du dich in einer solchen Situation befindest, empfehle ich dir ganz dringend, dir Unterstützung zu holen, damit du dein Kind bestmöglich begleiten kannst.

Um ein Wechselmodell, das vom Gericht angeordnet wurde, zu ändern braucht es unbedingt eine professionelle Herangehensweise.

Und auch dann ist der Wechsel auf ein anderes Modell oft nicht möglich – und geht, in manchen Fällen auch nach hinten los.

Eine Mutter, die aus guten Gründen gegen das Wechselmodell ist, der Vater aber auf dieses besteht, sollte sich gut beraten lassen.

Es passiert schnell, dass wir emotional werden und das kommt vor Gericht leider überhaupt nicht gut an.

Schnell gilt die Mutter dann als bindungsintolerant und bekommt die Unterstellung, sie würde Umgang verhindern wollen.

 

Die Haltung ist entscheidend

 

Werde dir als Mama sehr bewusst darüber, was dem Wohle des Kindes entspricht und vertrete dieses. Lass dich nicht von den Provokationen deines Ex verleiten, in seine Spielchen einzusteigen.

Der finanzielle Aspekt sollte beim Thema Wechselmodell ebenfalls Berücksichtigung finden jedoch natürlich nicht Hauptargument sein.

Weder für den Vater, der so weniger oder gar keinen Unterhalt zahlen muss, noch für die Mutter weil sie befürchtet, aufgrund des Gehaltsunterschiedes und mit wenig Unterhalt nicht über die Runden zu kommen.

Ein Wechselmodell kann funktionieren und im Interesse des Kindes sein. Hier habe ich eine Studie zum Wechselmodell schon mal unter die Lupe genommen:

Wechselmodell für alle Trennungskinder? Was ist das beste Umgangsmodell? – mit-kindern-reifen

Es ist eine sehr schwierige Situation wenn der Vater das Wechselmodell möchte, die Mutter aber nicht. Wenn eine Kommunikation nicht möglich ist und die Entscheidung vor Gericht landet, ist professioneller Beistand unabkömmlich. Und eine gute Vorbereitung.

Diese kostenlose Erstberatung für Alleinerziehende kann eine erste Anlaufstelle sein:

Hotline Familienrecht

Mein E-Book „Trennung mit Kindern unter 7“ hilft dir dabei, die Entwicklung des Kindes in den ersten 7 Lebensjahren zu verstehen und herauszufinden, wie ein gutes Modell für euer Kind ausschauen kann. Außerdem liefert es dir Erklärungen, weshalb ein Wechselmodell bei Kindern unter 5 herausfordernd sein kann, vor allem wenn die Eltern sich nicht einig sind.

Es hilft dir außerdem, deine Grenzen wahrzunehmen und zur Vertreterin deines Kindes zu werden. Wenn wir verstehen, was Kinder in den ersten Lebensjahren brauchen, fällt es uns viel leichter, uns für das passende Modell zu entscheiden und auch dafür einzustehen.

Vater will Wechselmodell, Mutter nicht

 

Wesentlich für das Gelingen eines Wechselmodells

 

Diese Punkte werden im Artikel „Das Wechselmodell aus Sicht des Kindes“ als Bedingungen für ein gut funktionierendes Wechselmodell angeführt:

  1.  Die Betreuungsregelungen vor und nach der Trennung sind weitgehend ähnlich (Kontinuitätsprinzip).
  2. Das Kind hat Bindungen an beide und positive Beziehungen zu beiden Elternteilen.
  3. Der (hinterfragte) Wille des Kindes wird altersangemessen berücksichtigt.
  4. Die Wohnorte der Eltern liegen nicht weit voneinander entfernt, so dass Kita bzw. Schule und andere soziale Kontakte beibehalten werden können.
  5. Die Eltern sind bereit und in der Lage, sich auf verändernde Bedürfnisse des Kindes einzustellen.
  6. Zwischen den Eltern besteht ein Mindestmaß an Übereinstimmung, ein niedriges Konfliktpotential und ausreichend Kooperation.

Manche Situationen sind einfacher als andere. Aber, egal, wie eure Situation ausschaut. Für dein Kind kannst du den Unterschied machen. Besorge dir noch heute mein E-Book „Trennung mit Kindern unter 7“ und verstehe, worauf es in der Zeit nach der Trennung ankommt.

 

Wenn dein Kind unter 7 Jahre als ist, dann solltest du unbedingt dieses Video anschauen.

In dem Video erfährst du 3 wichtige Dinge:

  • Weshalb die 3 gängigen Umgangsmodelle Residenzmodell, Wechselmodell und Nestmodell nur als grobe Richtschnur dienen können.
  • Weshalb Kleinkinder und Vorschulkinder bei der Trennung der Eltern besondere Begleitung brauchen.
  • Weshalb der Satz „Die Kinder leiden am meisten“, unreflektierter Bull*it ist.

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