Beziehung und Bindung
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Rückstellung meines Muss-Kindes Ein Jahr später- Ist mein Kind schulreif?

Jedes Jahr aufs Neue stellen sich Eltern von Vorschulkindern die Frage: Ist mein Kind schulreif?

Letztes Jahr war für mich klar, dass mein Kind nicht in die Schule gehen würde. Die erstaunten Gesichter von unserer Ärztin und von unseren Erziehern haben mich da wenig ins Grübeln gebracht. Eher umgekehrt, meine Argumente zum Thema Schulreife brachten sie ins Grübeln und schließlich dazu, mit mir an einem Strang zu ziehen.

Die Punkte, die mir bei der Schulreife wichtig sind, habe ich hier beleuchtet. Da war es mir auch total egal, ob meine Kleine kognitiv super fit ist. Denn darauf kommt es in der Schule nicht in erster Linie an. Auch, dass ihre Freunde eingeschult wurden, war für mich kein Argument.

Was meiner Tochter geholfen hat, war meine klare Linie, von Anfang an. Für uns war klar, dass sie ein Jahr später eingeschult wird.

Sie liebt ihren Kindergarten und ich wusste, dass sie dort einen sicheren Ort hat, um die nötige Reife für die Einschulung zu entwickeln.

Und genauso war es. Trotz der vielen Befürchtungen, sie könne sich langweilen, die ich immer mit einem Kopfschütteln abgetan habe, erlebt sie gerade ein tolles letztes Kindergartenjahr.

Sie gehört nun zu den Großen und kümmert sich fürsorglich um die Kleinen. Schaut, dass sie mit dazugehören und dass die Erzieher sich einschalten, wenn die Kleinen nicht für sich sprechen können. Sie lernt so viel über soziales Miteinander.

Ihr bester Freund, der letztes Jahr eingeschult wurde, kommt fast noch täglich mit in den Kindergarten, wenn sein kleiner Bruder abgeholt wird. Dann verbringen wir nicht selten noch eine Stunde gemeinsam auf einem Spielplatz in der Nähe. So hat meine Kleine eine ganze reale Verbindung zur Schule und ein viel besseres Verständnis dafür, was sie da erwartet.

Sie ist so reif geworden in dem Jahr.

Und sie hat so viele Bereiche entdeckt, die sie nicht entdeckt hätte, wenn sie letztes Jahr eingeschult worden wäre. Der Kreativitätsraum im Kiga war die ersten Jahre absolut uninteressant für sie. Seit ein paar Monaten bastelt und maltt sie mit einer Ausdauer, die ich bei ihr einfach nicht kannte.

Auch die Werkstatt, in der in sehr kleinem Rahmen Kinder mit Hammer, Bohrmaschine und Säge hantieren, hat es ihr angetan. Diese hat sie quasi erst vor 2 Monaten für sich entdeckt. Seitdem wird gehämmert, gesägt und gebaut, was das Zeug hält. Demnächst muss ich wohl ein Extraregal für ihre Projekte anbringen.

Einfach nur schön, diese Entwicklung und Entfaltung zu beobachten.

Sie orientiert sich nicht mehr ausschließlich an den Angeboten, ihrer Lieblingserzieherinnen, sondern schaut, worauf sie Lust hat. Sie baut viel schneller eine Verbindung zu Menschen auf, als dies noch vor einem Jahr der Fall gewesen ist.

Im letzten Entwicklungsgespräch vor 6 Wochen meinte ihre Erzieherin zu mir, dass sie es erstaunlich findet, wie fix meine Kleine bei vielem ist und dass sie gleichzeitig echte „Probleme“ hat, Zahlen zu erkennen.

Ich merkte an, dass mir auch schon aufgefallen sei, dass sie keinerlei Interesse an Zahlen zeigt. Auch die Uhr interessiert sie einfach nicht sonderlich.

Buchstaben hingegen begeistern sie schon länger. Sie schreibt liebend gerne Überschriften ab oder bittet mich, ihr etwas zu buchstabieren. Reime erfinden gehört schon seit bestimmt 2 Jahren zu unserem Alltag dazu. Die Sprache interessiert sie also eher als Zahlen.

Und dann kam Tag X vor einer Woche: „Mama, ich will rechnen! Frag mich etwas.“ Seitdem rechnet sie bis 10 alles rauf und runter, ohne dass wir das jemals geübt oder thematisiert hätten.

Wieder eine Bestätigung, dass das Interesse kommt, wenn bestimmte Entwicklungsschritte vollzogen sind?

Bei meiner Tochter war das schon immer so. Mit allem. Ewig lange hat sie etwas nicht interessiert und dann plötzlich fing sie an und machte nur noch wenig anderes. Gerade ist es eben Rechnen.

Sie hätte sicher auch letztes Jahr in der Schule rechnen lernen können. Es wäre aber nicht der beste Zeitpunkt gewesen und eventuell hätte sie es mühsam lernen müssen, weil einfach das Verständnis noch nicht da war.

Meine Kleine spielt seit 2 Jahren oder so leidenschaftlich gern das Spiel Kalaha (wir sagen dazu: Steinchenspiel).

Ich bin überzeugt, dass das ihre Vorbereitung auf das Zählen und Rechnen war.

Gerade in den letzten Monaten spielte sie das Spiel fast täglich, häufig auch alleine. Also falls dein Kind keine Lust auf Rechnen hat, vielleicht ein ganz guter Einstieg. Das Spiel macht auch Erwachsenen Spaß.

Gestern kam ihre Lieblingserzieherin auf mich zu und meinte „Das Jahr hat ihr wirklich gut getan. Richtig schön, mit anzusehen und wir haben so viel Spaß.“

Die Entscheidung um die Einschulung ist eine sehr individuelle.

Dennoch höre ich selten Argumente für eine frühe Einschulung, die richtig gut sind. Denn nur weil ein Kind sich für Buchstaben interessiert, muss es nicht in die Schule. Viele Kinder interessieren sich schon mit 4 Jahren für Buchstaben und trotzdem würden wir sie in dem Alter hoffentlich nicht in die Schule schicken.

Es kommt natürlich auch immer auf die Alternative an. Ich wusste, dass es meiner Tochter im Kindergarten nicht langweilig werden würde. Und für den Fall dass doch, wäre mir schon etwas eingefallen, sie etwas mehr zu fordern. (fordern – nicht fördern) Ihr Leben besteht zum Glück nicht nur aus Kindergarten.

Gerade will sie immer noch nicht zur Schule gehen. Wenn es nach ihr ginge, würde sie wohl die nächsten 20 Jahre im Kindergarten bleiben. Da hilft aber die Kooperation mit der Grundschule, die die Kinder langsam heranführt.

Bleibt abzuwarten, wie es ihr dann gefallen wird.

Und da ist wohl auch sehr viel Glück dabei.

Ich hoffe einfach mal auf Glück und schicke mein Kind nun mit wesentlich besserem Gefühl in die Schule, als das letztes Jahr noch der Fall gewesen wäre.

Mittlerweile ist sie weniger scheu Menschen gegenüber, zu denen sie keine Bindung hat. Sie traut sich, um Hilfe zu bitten und eine Frage zu stellen, wenn sie eine hat. Ihre Impulskontrolle funktioniert in den meisten Fällen um weites besser als noch vor 1-2 Jahren und sie kann auch mal etwas machen, worauf sie keine Lust hat. Was ja Grundvoraussetzung für die Schule ist. Bevor dieser Entwicklungsschritt getan ist, kann ein Kind nicht einsehen, wieso es immer Hausaufgaben machen sollte.

Ach, ich bin gespannt, wie es weitergeht. Bin aber optimistisch … auch weil ich weiß, dass auch im besch…System die Eltern einen richtig großen Unterschied für die Kinder machen können.

Traut euch, auf euer Bauchgefühl zu hören. Ihr seid die Experten für eure Kinder. Kein Arzt, keine Erzieher und keine Dame vom Gesundheitsamt kennt euer Kind so wie ihr.

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