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15 Tipps für einen guten Start in der Schule

Du wünschst deinem Kind einen guten Start in der Schule? Wir Eltern sind dabei wichtiger, als wir denken.

Meine Tochter ist seit dieser Woche ein Schulkind. Heute Morgen ging sie freudestrahlend, viel zu früh und voller Neugierde los. Trotz aktueller Corona-Regeln hat die Schule das alles richtig gut hinbekommen und mittlerweile sehe ich sogar ein paar Vorteile, gerade für Erstklässer.

Das Reinwachsen in den neuen Klassenverband wird ihnen vielleicht dadurch erleichtert, dass sie die Pausen gemeinsam mit der Klasse verbringen und nicht wie in normalen Zeiten auf einem mit 600 Schülern vollgestopften Schulhof.

Die ersten Tage zeigten mir schon ganz deutlich, dass die Einstellung der Eltern einen so großen Unterschied machen kann.

Da gab es die gespannte, sorgenvolle Fraktion, bei der sich alles um die Frage drehte, wer wohl die Kinder unterrichten würde und ob diese Person denn auch nett sei. Auf der anderen Seite gab es eine kleine Fraktion, für die sowieso klar war, dass alle LehrerInnen nett und toll sind. Welche Kinder denkst du, sind entspannter in die Schule gestartet?

Meine Tochter geht auf eine sehr große Grundschule. Der Direktor war mir schon beim Rückstellungsgespräch letztes Jahr sehr sympathisch. Meine Tochter ist kein Kind, das auf den ersten Blick für eine Rückstellung in Frage kommen würde. Das war ihm egal.  Ich, als Mutter, so meinte er, kenne mein Kind am besten und sowieso schade es kaum einem Kind, noch ein Jahr emotional zu wachsen und seinen Bewegungsdrang auszuleben.

Seine kurze Rede zur Einschulungsfeier ließ ebenfalls Werte durchscheinen, die meinen sehr nahe kommen. Die Kinder bräuchten jetzt erstmal Zeit, zum Ankommen. Er hat an die Eltern plädiert, keinen Druck zu erzeugen und die Kinder einfach lernen zu lassen. In seiner Laufbahn habe es kaum ein Kind gegeben, das nicht lesen und rechnen gelernt hätte. Jedes Kind habe dabei seinen eigenen Fahrplan und deshalb bekämen sie nun auch mindestens zwei Jahre Zeit, die grundlegenden Kompetenzen zu erlernen. Er möchte keine Vergleiche an seiner Schule und keinen unnötigen Druck.

Die Lehrerin würde nun eine sehr wichtige Vertrauensperson im Leben unserer Kinder. Nur so könne Lernen funktionieren und der Aufbau vertrauensvoller Beziehung brauche Zeit und Vertrauen von Seiten der Eltern, Lehrer und Kinder. Ich war positiv überrascht und hoffe, dass sich die ersten Jahre dann auch so gestalten werden.

Beim Elternabend, als ich den Stundenplan in der Hand hielt hab ich mich gefreut wie eine Schneekönigin. Nur einmal in der Woche zur ersten Stunde! Um 7:45.

Frühes Aufstehen ist für uns noch nie ein Problem gewesen, trotzdem finde ich es schön, dass wir nun morgens an vier Tagen noch entspannter mit viel Zeit in den Tag starten können. Gute Voraussetzungen für einen guten Start in der Schule.

95% der Eltern haben sich danach beim Gespräch vor dem Klassenzimmer genervt über den Freitag geäußert. Welchen Kindern wird es wohl leichter fallen, Freitags früh morgens mit dem Sportunterricht zu starten? Mein Kind hat tagelang zu hören bekommen, welch großes Glück wir mit der Schule, mit dem Direktor und der Lehrerin haben. Welch ein großes Glück wir mit dem Stundenplan haben. Und ich meinte das tatsächlich ernst.

Wenn Eltern doch am Mittwoch schon jammern, weil sie Freitags früher aus dem Haus müssen, wie sollen Kinder dann positiv und optimistisch in den Tag starten?

Macht nicht aus allem ein Problem!

Hier hab ich spontan ein paar Punkte zusammengeschrieben, die Kindern zu einem guten Schulstart verhelfen können:

  1. Das Kind, wenn es irgendwie möglich ist, erst in die Schule gehen lassen, wenn es emotional dazu bereit ist. Rückstellungen werden oft für unmöglich gehalten, sind aber seltsamerweise doch hier und da möglich. Hier habe ich schon mal über das Thema “Ist mein Kind schulreif?” geschrieben.
  2. Die Lehrkraft mögen und die Beziehung zwischen Kind und dieser fördern. Unsere Kinder können ihren Lehrer oder ihre Lehrerin nur mögen, wenn wir sie mögen. Wir müsse nicht alles gut finden, das sollte aber nichts mit ihr als Person zu tun haben.
  3. Wenn wir unserem Kind viel zutrauen, dann tut es das auch. Am ersten Schultag konnte man deutlich die Kinder mit ängstlichen, besorgten Eltern von denen mit entspannten Eltern unterscheiden.
  4. Schule nicht als der Mittelpunkt im Leben erscheinen zu lassen. Denn das ist sie nicht.
  5. Interessiere dich für die Lebenswirklichkeit deines Kindes. Stelle Fragen und höre zu. Echte Fragen und wirklich zuhören. “Wie war es in der Schule”?” “Gut”. Ist keine besonders verbindende Unterhaltung. Mir haben nun schon einige Eltern erzählt, dass ihr Kind kaum etwas von ihrem Tag berichten würde. Alle finden es toll, dass ich immer ziemlich viel darüber weiß, was am Tag so gelaufen ist in der Schule. Ich antworte dann meist: „Wir üben das, seitdem sie 3 Jahre alt ist.“ Meine Tochter ist kein Kind ,das einfach drauflos erzählt. Sowas muss geübt werden. Sowas braucht Zeit und echtes Interesse. Eine kleine Anekdote von gestern:

„Ich soll Oma anrufen, sie möchte wissen, wie es in der Schule war.“ Kind ruft an, Oma sagt : “Hallo Schatz, und wie war es?“ Kind kleinlaut: „Gut“. Stilleee……..Kind zu mir: „Mama, Oma fragt nichts. Sie muss mir doch sagen, was sie wissen möchte!“ Wenn dein Kind nach der Schule in der Betreuung war, dann weiß es oft auch gar nicht mehr, was alles war. Da braucht es konkrete Fragen. Meine Kleine meinte gestern: „Mama, ich weiß nur noch, was wir am Ende gemacht haben.“

  1. Reserviere Zeit für Verbindung. Spielt und unterhaltet euch dabei.
  2. Lade neue Freunde deines Kindes zu euch ein, nimm Kontakt zu den Eltern auf. Je mehr das neue Umfeld zu einem Bindungsdorf zusammenwächst, desto leichter wird sich dein Kind darin zurechtfinden.
  3. Lass die verschiedenen Lebensbereiche so viel es geht miteinander verschmelzen. Gerade jetzt, wo Eltern den Schulhof nicht betreten dürfen, ist es wichtig, nicht zwei, völlig voneinander abgetrennte Welten entstehen zu lassen.
  4. Hilf deinem Kind, alte Bindungen (zu Erziehern, zu Kindergartenfreunden, zu den Eltern der Kindergartenfreunde) aufrecht zu erhalten.
  5. Sorge dafür, dass dein Kind viel Raum für echtes Spiel hat. Viel Raum für Emotionen und viel Raum, sich selbst zu sein. Dazu braucht es auch Zeit und Ruhe zu Hause.
  6. Sei das Sprachrohr deines Kindes. Eltern sind der Puffer zwischen den Erwartungen der Gesellschaft und ihren Kindern. Sei nicht Teil des Stress! Sei Filter für den Stress, dem deine Kinder begegnen.
  7. Zeige deinem Kind immer wieder und mache ihm klar, dass das Leben kein Wettbewerb ist. Es geht erstmal um den Inhalt und um die Freude bei der Sache. Das ist viel wichtiger als irgendwelche Ergebnisse. Schon am ersten Tag wurde meine Tochter von ihrer Banknachbarin ständig gestört. Sie sagte ihr dauernd: „Oh, wo bist du denn erst? Schau mal ich. Ich bin schon viel weiter als du!“
  8. Menschen sind verschieden. Wir müssen nicht alle mögen. Wir müssen aber alle respektieren. Lebe deinen Kindern vor, zu anderen Menschen freundlich zu sein und dennoch bestimmt und selbstsicher die eigene Meinung zu vertreten. Das geht auch, ohne die Gefühle deines Gegenübers mit Füßen zu treten.
  9. Jeder hat das Recht auf eine Meinung. Wenn jemand eine Meinung äußert, die dir nicht gefällt, dann hast du die Wahl, diese anzunehmen oder eben nicht. Nicht jede Meinung muss bei dir auf offene Ohren stoßen. Du darfst dich gegen gemeine, verletzende Äußerungen abgrenzen. Du weißt, wer du bist und dass du gut bist! Es zählt nicht jede Meinung über dich! Nicht jede Meinung ist richtig und nicht jede Meinung ist für dich wichtig!
  10. Denk immer daran, dass du zu Hause alles loswerden kannst und du so gesehen wirst, wie du bist.

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