Beziehung und Bindung
Schreibe einen Kommentar

Wie ein Lob meiner Tochter erstmal die Freude nahm

Foto: Jeff Kubina/flickr.com//

Das Loben von Kindern wird heiß diskutiert. Die einen halten es für unbedingt nötig, die anderen sagen, es zerstöre die Freude am Tun. Ein kurzer Erfahrungsbericht dazu.

Meine Tochter und ich – wir klettern beide gerne. Sie klettert mit ihren 3,5 Jahren in schwindelerregende Höhen. Sie liebt es einfach.

Nun sind wir jeden Nachmittag noch eine Stunde auf dem Spielplatz neben dem Kindergarten, da dieser so schön leer ist und sie sich ganz in Ruhe an dem Klettergerüst austoben kann.

Sie hat mittlerweile unzählige Alternativen kreiert, auf dieses Ding zu klettern. Sie hatte sichtlich Freude daran, immer neue Wege, die nicht vorgesehen waren, zu erschließen.

Wenn sie sich freut, freue ich mich für sie. Kein Lob, kein Bravo, kein Händeklatschen. Einfach ein „Mensch dass du das jetzt geschafft hast!“

Das Loben von Kindern für jede neue Fähigkeit schaut von außen betrachtet so seltsam aus. Und dennoch verfallen viele Erwachsene in ausgedehntes Lob wenn ihr Kind etwas Neues schafft. Die Jubelstürme, die wir dazu nicht selten auf Spielplätzen erleben dürfen, haben Unterhaltungswert.

In manchen Familien wird das Loben von Kindern als Mittel genutzt, um die Kinder in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Oft bestimmt auch völlig unbewusst.

Ich versuche, Lob zu vermeiden und freu mich lieber mit meinem Kind.

Es ist mir nämlich egal, ob sie nun gut klettern kann oder nicht. Hauptsache, sie hat etwas, an dem sie Freude hat und sich ausprobieren kann.

Als eine ihrer Erzieherinnen vorbeilief und zum ersten Mal sah wo meine Kleine hochkletterte blieb sie stehen, rief laut: „Das habe ich ja noch nie gesehen, dass du da hochklettern kannst. Mensch, prima, super, ganz toll!“ Und es hörte gar nicht mehr auf…..

Ich total sprachlos, meine Tochter total verwundert und die Erzieherin freudestrahlend voller Stolz.

Seit diesem Tag ruft meine Tochter ununterbrochen: “Mama, schau mal! Guck mal was ich kann! Schau mal ich bin oben!“ Sie wollte plötzlich Anerkennung für ihr Tun, Wertschätzung für ihr Sein reichte ihr nicht mehr. Es hat sich seitdem zum Glück wieder etwas gelegt.

Es mag Zufall sein aber dennoch fiel mir der Zusammenhang auf.

Das Loben von Kindern macht etwas mit Kindern wenn sie daran gewöhnt werden.

Was ist dann ein Lob, das es nicht bekommt? Sowas wie eine Strafe? Ist Lob nicht einfach auch eine Belohnung?

Vielleicht regt es auch dich zum Nachdenken an.

Wie Gordon Neufed in etwa sagt:

Wertschätzung und Lob ist wie Mousse au Chocolat und Sahnehäubchen

Wenn es nur das Sahnehäubchen (Lob) gibt werden wir wenig daraus ziehen können. Gibt es aber die Mousse au Chocolat (bedingungslose Wertschätzung) dann richtet das Lob keinen Schaden an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.