Beziehung und Bindung, mehr Gelassenheit, weniger schimpfen
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Hilfe – Mein Kind ist so unruhig!

Immer wieder kommen Eltern auf mich zu und teilen ihre Verzweiflung über ihr unruhiges Kind mit mir. Da das Thema auch mich und meine Tochter betrifft, beschäftige ich mich schon sehr lange damit.

Auch ich merke, dass mein Kind in vielen Situationen sehr unruhig ist. Diese Tage sind so anstrengend.

Seitdem ich mich mit Gordon Neufeld und seiner entwickelten Theorie beschäftige ist mir klar, dass ich das Thema an der Wurzel angehen muss.

Die erste Frage eines Entwicklungspsychologen lautet immer:

„Wo ist das Kind mit Trennung konfrontiert?“ Diese Wortwahl wird ganz bewusst gewählt. Denn nicht nur eine tatsächliche Trennung löst Alarm im Kind aus, sondern die individuelle Wahrnehmung von Trennung. Trennung für ein Kind ist ganz vieles, was wir gar nicht als Trennung betrachten würden. Schon alleine die Angst des Kindes, dass Mama oder Papa es ablehnen könnten, wird bereits als Trennung empfunden und löst Alarm im Kind aus.

Wenn wir uns die 6 Bindungsstufen anschauen, wird deutlich, dass viele Dinge beim Kind als Trennung erlebt werden können:

Ein Kind, das über Gleichheit gebunden ist, kann es bereits als Trennung empfinden, wenn seine Bindungsperson nicht dasselbe Spiel spielen will wie es selbst. Für ein Kind, das über physische Nähe gebunden ist, sind alle Situationen eine Trennung, in denen die Bindungsperson abwesend ist.

Disziplinierungsmaßnahmen werden immer als Trennung empfunden, da der Erwachsene dabei nicht auf derselben Seite steht wie das Kind.

Dadurch wurde mir bewusst, dass mein Kind ständig mit Trennung konfrontiert ist. Viele dieser Situationen lassen sich nicht vermeiden. Ich kann nicht immer mit ihm spielen oder immer meinen Ärger verbergen. Ansetzen muss man da, wo Trennungen sich vermeiden lassen.

In Situationen, in denen das Kind unruhig ist, macht es keinen Sinn sich auf sein Verhalten zu fokussieren. Es kann in dem Moment gar nicht anders. Klar, wenn man es lang genug für seine Unruhe bestraft, wird es Wege finden, diesen Alarm zu unterdrücken. Jedoch kommen die Emotionen dann an anderer Stelle hoch und die Symptome werden deutlicher.

Wenn ich merke, dass meine Tochter unruhig ist, was leider seit dem Kindergartenstart sehr oft vorkommt, lasse ich, wenn möglich alles stehen und liegen und begebe mich auf eine Ebene mit meinem Kind. Ich nehme mir Zeit und übe mich in Geduld, um ihren Beziehungstank zu füllen. Das kann manchmal wirklich lange dauern und sehr viel Einfühlungsvermögen meinerseits abverlangen. Oft schaffe ich es auch nicht, weil ich selbst unruhig bin. Aber mir bewusst zu machen, dass es nichts bringt, an ihrem Verhalten zu „arbeiten“ hat mir bereits geholfen.

Gerade an diesen Tagen braucht meine Kleine mich umso mehr, auch wenn sie mich öfters ablehnt und mit ihrem Verhalten „provoziert“.

Im Zweifel hat uns immer WENIGER TRENNUNG geholfen. Denn oft weiss man gar nicht, was los ist. Dann auf die Beziehung und die Nähe zu setzen hat bei uns jedenfalls bis jetzt immer zu einer Entspannung der Situation geführt.

Es macht mich wütend, wenn ich von all den unruhigen Kindern in der Schule höre, die mit Medikamenten unterrichtbar gemacht werden, wenn die Antwort auf die Symptome vielleicht so „einfach“ sein könnte. Dazu müsste man allerdings vieles in Frage stellen und könnte nciht einfach so weitermachen wie bisher. Mit noch mehr Betreuung und noch weniger Zeit in der Familie.

 

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