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Alleinerziehend, alleinerziehender, am alleinerziehendsten

 

Es gibt sie immer wieder, die Diskussionen zum Thema alleinerziehend sein. Wer ist denn nun alleinerziehend und wer nicht? Sind Frauen mit Partner auch manchmal alleinerziehend oder haben sie bloß keine Ahnung, wovon sie reden?

Aber das soll hier nicht Thema sein. Seit nun 2 Jahren bin ich alleinerziehend ohne Partner. Meine Tochter und ich wohnen alleine und ich trage 99% der Verantwortung, treffe alle Entscheidungen und bin diejenige, die das Kind pflegt, wenn es krank ist, tröstet, wenn es traurig ist, Nächte durchmacht wenn es nötig ist und Essen bereitet wenn es hungrig ist.

Nun habe ich das große Glück, dass meine Tochter eine gute Beziehung zu ihrem Vater hat und dass ich einmal in der Woche abends 2 Stunden Entlastung habe, da er vorbeikommt und sich um sie kümmert, während ich 2 Stunden meine kleine Freiheit genieße.

Am Wochenende habe ich meistens einen halben Tag, manchmal sogar einen ganzen Tag für mich. Lange Zeit habe ich die paar freien Stunden dazu genutzt, die Wohnung auf Vordermann zu bringen oder die dringenden Einkäufe zu erledigen. Seit einiger Zeit mache ich das jedoch nicht mehr. Das alles muss ich irgendwie nebenher erledigen. Die paar Stunden gehören mir. Zum Abschalten oder zu was auch immer ich Lust habe.

 Nun ist der Papa meiner Tochter in Urlaub und wir sind seit 10 Tagen fast rund um die Uhr zusammen. Von den Stunden abgesehen, in denen sie im Kindergarten ist und ich bei der Arbeit.

 Das Wetter ist schlecht und wir gehen uns gegenseitig auf die Nerven.

Jetzt merke ich, wie wichtig die paar Stunden Freiheit in der Woche für mich sind und frage mich wie kann eine Mama oder ein Papa das schaffen, die diese Unterstützung nicht haben und vielleicht sogar noch 2, 3 oder 4 Kinder versorgen.

Es ist mir ein Rätsel. Ich scheine schon mit einem Kind ziemlich überlastet zu sein und das obwohl ich hin und wieder mal ein wenig Freiraum habe. Trotzdem ist mir vieles oft einfach zu viel.

Das mit der Unterstützung klappt ja auch nicht immer

Das Problem mit Unterstützung ist ja auch oft, dass die lieben Kleinen nicht immer gleich so mitspielen, wie wir uns das wünschen. Die Besuche bei meinen Eltern waren eine Zeitlang wirklich entspannend und erholsam. Ich konnte vielleicht auch mal ein Bad nehmen, mit Freunden ausgehen oder mich bei einer Massage verwöhnen lassen. Doch in den letzten Monaten sind die Besuche eher anstrengend. Meine Kleine schläft sehr unruhig, ich somit auch. Außerdem hört sie nicht darauf was Oma und Opa sagen und es gibt ständig stressige Situationen.

Babysitter ging genau 3 Wochen lang gut. Dann verkündete meine Kleine, dass sie in Zukunft keine Babysitterin mehr will und das war es dann erstmal.

Jedenfalls bin ich nun total durch und sehne den Tag herbei, an dem der Vater der Kleinen sie abholt und mit ihr auf den St Martins Umzug geht. So gerne ich solche Dinge auch mit ihr unternehme, ich bin heilfroh, dieses Jahr diesen Spaß an ihren Papa abgeben zu können.

Und zur Krönung wurde mein kleiner Sonnenschein von Sonntag auf Montag krank, und somit war mein einziger freier Vormittag auch dahin. Meine Migräne, die mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht hatte, musste ebenfalls zur Seite geschoben werden. Wer schon mal eine Migräne hatte und dabei ein kleines Kind betreut hat, weiss was das bedeutet.

Wozu überhaupt noch planen, es kommt sowieso anders. Im Rückblick hatten wir einen sehr intensiven, schönen Tag. Es blieb eben einfach alles liegen, was ich mir vorgenommen hatte. Was soll es? Morgen ist auch noch ein Tag. (an dem alles genauso liegenbleiben wird)

Oft denke ich, dass die permanente Beschallung das Anstrengende für mich ist. Es gibt quasi niemals eine ruhige Minute. Meine Tochter redet so unglaublich viel und erwartet natürlich auf alles jederzeit eine Reaktion. Die Vielzahl von Entscheidungen, die ich bereits 2 Minuten nach dem Aufwachen getroffen habe, tun ihr übriges. Ich habe noch nie zuvor so viele Entscheidungen in so kurzer Zeit getroffen.

Mamas wie macht ihr das nur mit mehr als einem Kind alleine? Wenn sich jemand angesprochen fühlt und in der Nähe wohnt, vielleicht können wir uns auch unterstützen?

Lange Zeit habe ich mich gefragt, warum sich Alleinerziehende eigentlich nicht mehr unterstützen. Langsam wird mir klar wieso. Sie haben keine Zeit, geschweige denn Energie, sich um ihr Netzwerk zu kümmern. Sie sind schlichtweg ausgelastet und immerzu beschäftigt. Außerdem sitzen wir so gut wie jeden Abend zu Hause und hüten das Kind. Wo sollen wir uns über den Weg laufen? Wir haben immer mehrere Bälle in der Luft und sind immerzu damit beschäftigt, dass keiner herunterfällt oder zu lange orientierungslos in der Luft herumschwirrt. Und wenn wir mal 2 Minuten Luft zum Atmen haben gehen wir im Kopf unsere To-Do Liste durch.

Ich freue mich über eure Erfahrungen. Wie stemmt ihr das alles?

 

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