Beziehung und Bindung
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Halte durch Mama und genieße die positiven Seiten -vieles ist nur eine Frage der Reife!

Es gibt unglaublich anstrengede Zeiten in der Begleitung von Kindern.  Es gibt Phasen, in denen dreht sich bei Eltern alles um das Thema Schlaf, den letzten Stuhlgang, das Trockenwerden, den Jammerton, und vieles mehr.  Heute habe ich mich gewundert, wann sich eigentlich die vielen kleinen „Problemthemen“ ausgeschlichen haben. Denn genauso war es. Nervige Angelegenheiten waren plötzlich verschwunden.

Wer kennt ihn nicht, den Satz: „Alles nur eine Phase!“ Immer wieder habe ich in schwierigen Zeiten versucht, mir das vor Augen zu führen. Aber wenn man vor Müdigkeit kaum aufrecht stehen kann, 24/7 gebraucht wird und einfach auf dem Zahnfleisch geht, will man diesen Satz nicht hören. Jedenfalls habe ich des Öfteren gedacht: „Hört mir auf mit euren Phasen!“

Im Nachhinein stelle ich erstaunt fest: „Es ist wahr! Vieles (nicht Alles!) war Thema auf begrenzte Zeit und hörte von alleine wieder auf!“

Mit viel Geduld, Zuwendung, Ruhe, durchatmen, durchatmen und durchatmen. „Oooohhhmmm…“

Hiermit will ich die Ernsthaftigkeit einiger Probleme nicht kleinreden. Diese Gefahr besteht immer, wenn man Verhalten und Situationen pauschalisiert. Natürlich gibt es auch richtige Probleme, denen nachgegangen werden muss. Und lieber einmal zu oft genau hingeschaut als ein Mal zu wenig. Aber wenn alles abgeklärt ist, das Kind munter und gesund ist, gibt es eben oft nichts anderes, als das Vertrauen in die Natur und dass sie das schon alles regeln wird.

Ich bin aber absolut kein Fan von Bezeichnungen wie “Zahnlückenpubertät”, “Trotzphase”, “Autnomiephase”, “magische Phase”. Diese Begriffe verschließen ganz schnell den Blick für die darunterliegenden Themen. Hier gibt es dazu einen Artikel. “Ja, ja das kenne ich auch, das ist die Zahnlückenpubertät” verschließt das Auge für das, was eigentlich los ist. Zur Autonomiephase habe ich hier bereits ausführlich geschrieben.

Zum letzten Mal kam mir dieser Gedanke „Alles nur eine Phase“, als meine Kleine sich heute Nacht irgendwann, völlig unauffällig zu mir ins Bett gekuschelt hat.

Plötzlich schienen die zahlreichen nächtlichen Unterbrechungen Jahre zurück zu liegen.

Was war ich manchmal verzweifelt, wenn ich die dritte Nacht in Folge kaum zum Schlafen gekommen bin. Was habe ich mir das Hirn zermartert, was ich machen könnte, damit meine Tochter endlich besser schläft. Irgendwann gab es plötzlich kaum noch Unterbrechungen Nachts. Ganz von alleine, ohne dass ich irgendetwas Besonderes dafür gemacht hätte.

Plötzlich wollte meine Tochter in ihrem Bett schlafen, und zwar ohne Mama (da war sie jedoch bereits 4:-)). Ganz von alleine. Das war vor etwa einem halben Jahr. Regelmäßig hat sie dann noch ein paar Wochen nach mir gerufen, so dass ich meist mitten in der Nacht übergesiedelt bin, aber auch das hörte irgendwann auf.

Ganz von alleine.

Das Gefühl, als ich zum ersten Mal seit langem durchgeschlafen habe war überwältigend. Zu realisieren, wie es sich anfühlt, nach langer Zeit endlich mal ausgeschlafen zu sein hat mich völlig überrascht. Man merkt erst, was einem fehlt, wenn man es plötzlich wieder hat.

So war es bis jetzt mit fast allem. Wenn ich in Foren von Müttern lese, die kleinere Kinder haben, finde ich all meine Themen von vor Jahren wieder. Die von endlosem Schreien geprägten ersten Monate, die ersten Zähne, die schlaflosen Nächte, die Probleme mit dem Essen. Das Genervt sein, Gerädert sein, die Hilflosigkeit, die Überforderung, der Wunsch nach Erholung. Der Wunsch nach einer Gebrauchsanweisung.

Jemanden, der mir sagt, was ich tun muss. Ja, das wäre praktisch, wenn es so einfach wäre.

Die vielen Fragen um das wieso, weshalb, warum? Was nun? Kommen mir alle so bekannt vor. Ich wäre so viel entspannter gewesen, wenn ich das was ich heute weiß, damals gewusst hätte. Dann hätte ich die Situation mehr so angenommen, wie sie war und nicht ständig versucht, irgendetwas herbeizuzaubern, für das die Zeit einfach noch nicht reif war.

All diese Phasen…Angst vor Monstern unterm Bett, nicht alleine sein können, die Jammerphase. Oh ja, die Jammerphase trieb mich an den Rand des Wahnsinns. Dieser Ton, der schlimmer als jeder Zahnarztbohrer in meinen Ohren quietschte. Auch diese Phase war irgendwann vorbei. Erst habe ich es gar nicht gemerkt. Plötzlich jammerte mein Kind nicht mehr.

Oder diese Phase, wenn das Kind den ganzen Tag nahen Kontakt braucht. Egal ob auf dem Klo, unter der Dusche oder beim Kochen. Wenn, sobald man nur Andeutungen macht, sich aus dem Raum zu bewegen, dieser Jammerton aktiviert wurde, Fußstapfen zu hören waren und man festgehalten wurde. Ach ja, das war zeitweise wirklich anstrengend.

Aber auch das ging vorbei.

Irgendwann fing meine Tochter einfach an, alleine ins Bad zu gehen. Irgendwann fing sie sogar an, morgens aufzustehen und ins Bad zu gehen, ohne mich wachzumachen. Das alles, ohne dass ich ihr das jemals versucht habe „beizubringen“.

So viele kleine Dinge, vor denen sie lange Zeit Angst hatte. Plötzlich war die Angst weg.

Es half also, ihr einfach der sichere Hafen zu sein, den sie brauchte.

Ich weiß noch den Tag, an dem sie plötzlich mit einem Käfer in der Hand ankam und mir stolz zeigte, wie viele Beine er hatte. Einen Tag zuvor hatte sie noch die Straßenseite gewechselt, wenn sie irgendetwas krabbeln gesehen hat.

Das sind alles so Dinge, die mich verunsichert haben. Bei denen ich dachte, ich müsste meine Tochter unterstützen, ihre Angst loszuwerden.

Aber nein, es reichte, ihr Sicherheit zu bieten, fürsorglich zu sein und für sie da zu sein.

Im Nachhinein bin ich erstaunt, wie unauffällig sich Themen, die mich einmal sehr beschäftigt haben von ganz alleine verschwunden sind. Und ja, ich muss sagen „Alles eine Phase!“ trifft es oft auf den Punkt.

Zurücklehnen, Entspannen, Sicherheit und Geborgenheit geben und die Natur ihre Arbeit machen lassen.

 

Welche Phasen hattet ihr so? Die Phasen, an die ich mich noch erinnere:

Die Jeden Abend stundenlang Schreiphase

Die ich will nur getragen werden Phase

Die ich bekomme Zähne Phase

Die ich folge dir auf Schritt und Tritt Phase

Die ich habe Angst alleine Phase

Die ich habe Angst vor Insekten Phase

Die Jammern ohne Ende Phase

Die am Pullover Lutsch  Phase

Die ich rede wie ein Baby Phase

Die ich bin ein Baby Phase

Die ich flüstere nur noch Phase

Die ich mache alleine Phase

Die ich bin groß Phase

Die „he?“ Phase

Die „Kacka, Stinker, Pubs!“ Phase

Die „Warum?“ Phase

Die ich lass mich nicht wickeln Phase

Die ich zieh mich nicht an Phase

Die ich klettre auf jeden Tisch Phase

Die ich spiele den ganzen Tag mit Wasser Phase und Schütte wann immer ich kann Phase

Die Schnippel Phase „Ich zerschneide alles was mir in die Finger kommt und hinterlasse lauter Konfetti!“

Die ich werfe alles ins Klo Phase

Die ich zieh mich aus und renne draußen herum Phase

Die ich schau beim Fahrradfahren immer nach hinten Phase

Die ich renne immer einfach weg Phase

Die in der Nase popeln Phase

Die ich stehe um 4 Uhr auf Phase

Die ich spiele mitten in der Nacht Phase

Die Beißphase

Die Liste ist sicher nicht vollständig. Im Nachhinein ist es erstaunlich, wieviel Raum diese Themen zeitweise eingenommen haben. Mittlerweile habe ich gelernt, manche Dinge einfach anzunehmen und meinen Fokus auf andere Dinge zu legen.

Eltern, die mehrere Kinder haben machen sich beim zweiten Kind bestimmt schon viel weniger Gedanken.

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