Beziehung und Bindung
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Der passende Kindergarten für mein Kind – auf was du wirklich schauen solltest

Bei der Kindergartenwahl ging es mir vor allem darum, dass mein Kind so viel rausgehen kann wie es möchte. Denn meine Tochter ist ein absolutes Draußenkind. Die ersten 3 Lebensjahre haben wir größtenteils im Freien verbracht. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie es ihr in einer geschlossenen Gruppe gehen würde. Sollte sie etwa den halben Tag basteln müssen? Das war keine Option.

Schon bei der Wahl der KiTa habe ich mich im Nachhinein betrachtet, vertan. Zu naiv war ich damals und konnte die Konsequenzen nicht absehen.Die Wahl für den Kindergarten traf ich ebenfalls ziemlich uninformiert und hatte Riesenglück. Das hätte aber auch anders ausgehen können. Denn höre ich befreundeten Müttern zu, wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen, bin ich sehr dankbar für unseren Kindergarten.

Letzten Endes ist es ein halboffenes Konzept. Es gibt Gruppen, die sich jeden Morgen zum Morgenkreis treffen. Ausnahmsweise können auch Kinder aus anderen Gruppen eingeladen werden. Jede Gruppe hat drei feste Erzieher, die als Hauptbezugspersonen fungieren. Auch da hatten wir großes Glück. Die Erzieher sind sehr engagiert und interessiert, wie es den einzelnen Kindern geht.

Es gibt einen Gruppentag, an dem etwas Besonderes in der Gruppe gemacht wird. Außerdem gibt es viele Strukturen und Rituale. Die Kinder werden von den Erziehern zu einzelnen Projekten motiviert, angeleitet. Bei uns lief es im ersten Jahr darauf hinaus, dass meine Tochter fast alle Angebote annahm, die ihre Haupterzieherin anbot. Sie baute eine gute Bindung auf, was mir das Wichtigste am Kindergarten war.

Dennoch hatten wir zwischendurch eine Zeit, die ziemlich schwierig war. Wenn ich meine Tochter abholte, war sie im “Bestimmungsmodus”. Anscheinend hatte sie den halben Tag damit verbracht, den Ton anzugeben und zu tun und zu lassen, was sie wollte. Sie suchte sich ziemlich automatisch kleinere Kinder aus, um die sie sich kümmern konnte. Der natürliche Alphainstinkt, sich um kleinere Kinder zu kümmern, war also die meiste Zeit aktiv.

Das spürte ich stark an den Nachmittagen. Denn sie machte genauso weiter wie im Kindergarten. Sie übernahm die Verantwortung, wollte den Tag planen und war einfach sehr bestimmend und fordernd. Es war jeden Tag aufs Neue anstrengend, die Beziehung wieder in die richtige Bahn zu lenken.

Nämlich sie spüren zu lassen, dass ich da bin und ich mich um sie kümmere. Dass sie sich entspannen kann und Kind sein kann.

Das hat sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl von mir abverlangt. Zum Glück wusste ich da bereits um die Alpha-Problematik Bescheid.

Ich bin sehr froh, dass diese Phase vorbei ist und meine Tochter als Hauptbindungen zwei Erzieherinnen hat. Mittlerweile lässt sie sich auch wieder umsorgen. Das war aber nur möglich, weil ihre Erzieherinnen dies als ihre Aufgabe ansahen und sehr viel Arbeit in die Bindung gesteckt haben. Denn nur ein Kind, das richtig gebunden ist, kooperiert.

Oft ist es ja in offenen Konzepten gewollt, dass die Erzieher nur auf Anfrage da sind und die Kinder weitestgehend umeinanderkreisen. Oft sucht man Rituale vergeblich und die Kinder schwirren einfach herum und entscheiden selbst, was gemacht wird.

Im Kindergarten eines Freundes meiner Tochter gibt es zum Beispiel kein Essensritual. Die Kinder suchen sich die Kinder, mit denen sie essen wollen selbst aus und gehen dann irgendwann ins Kindercafé um sich dann selbst zu bedienen. Der Junge kommt die Hälfte der Tage ausgehungert nach Hause. Denn wenn Kinder ins Spiel vertieft sind, spüren sie oft nicht, dass sie hungrig sind. Meine Tochter würde niemals zum Essen kommen. Denn sobald sie am Tisch sitzt fällt ihr ein, noch schnell mal herumzurennen oder nochmal kurz auf die Schaukel zu müssen. Mir ist es überhaupt ein Rätsel, wie ein Kindergarten darauf kommt, selbst um das Essen auf Rituale und Strukturen zu verzichten.

Das ist auf jeden Fall eine Frage, die ich stellen würde.

Gibt es feste Essensgruppen? Eine lockere Sitzordnung, die vielleicht auch mal auf Wunsch geändert werden kann. Gibt es Rituale? Wer ist zuständig und wie werden diese gelebt?

Ein weiterer Punkt, den ich in unserem Kindergarten wirklich nicht missen möchte sind die festen Abholzeiten. Meine Tochter weiß genau, wann sie abgeholt wird. Ich stelle es mir furchtbar vor als Kind im Kindergarten herumzuschwirren, bis irgendwann dann Mama oder Papa zum Abholen kommen. Ohne zu wissen, wann das sein wird.

Sehr wichtig finde ich, dass Abschiedsrituale gelebt werden. Es wird zum Abschlusskreis gerufen und die Kinder wissen, jetzt geht es nach Hause. Dass es bei uns gleich Abschlusskreise zu sechs verschiedenen Uhrzeiten gibt finde ich wirklich toll.

Offene Konzepte können sicher bindungsfreundlich funktionieren. Vieles steht und fällt mit der Haltung der Erzieher.

Als was sehen sich die Erzieher? Sind sie die Leuchttürme, die die Richtung weisen, Orientierung und Halt geben? Die Bedürfnisse der Kinder bereits frühzeitig erkennen und dem Kind anbieten, was sie benötigen? Oder sehen sie sich als Begleiter, die da sind, wenn sie gebraucht werden?

Was ich auch beobachte in Kindergärten, in denen viele Kinder sich an Gleichaltrigen orientieren ist die Bildung von kleinen Gruppen. Meist ist ein Kind der Chef und gibt an, wer in und wer out ist. Da fängt dann Ausgrenzung schon ganz früh an. Ein guter Spielfreund meiner Tochter will zum Beispiel nicht mehr mit Kleineren spielen oder findet Mädchen blöd.

Sowas habe ich in unserem Kindergarten noch nie gehört. In den Großen wird die Fürsorglichkeit für die Kleinen geweckt. Und Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs werden schon mal gar nicht gemacht. Die Erzieher sehen es als ihre Aufgabe, ein liebevolles, freundschaftliches und tolerantes Miteinander zu gestalten. Auch Schimpfworte habe ich noch nie von meiner Tochter gehört. Es gibt für Gemeinheiten keinen Platz.

Überlässt man die „Chefrolle“ allerdings irgendwelchen Kindern, die ja schon allein aufgrund ihres Alters unreif sind, sieht die Sache anders aus.

Wie würde ich den Kindergarten aus heutiger Sicht aussuchen?

Gibt es Rituale/Strukturen? Gemeinsame, feste Aktivitäten? Gibt es Abschlusskreise, wenn nicht, wie werden die Kinder auf das Abholen vorbereitet?

Wie wird das Ankommen am Morgen gelebt?

Und dann ganz viel Bauchgefühl…

Die Bezugserzieherin vorher unbedingt kennenlernen. Ich hatte die eigentlich vorgesehene Erzieherin getroffen und mir war gleich klar, dass sie mit meiner Tochter nicht harmonieren wird. Sie ist nett und bestimmt eine gute Erzieherin, aber es passte nicht. Die Leitung hat ganz toll reagiert und uns eine andere Erzieherin zugeteilt. Und es passte vom ersten Tag an. Die eigentlich vorgesehene Erzieherin, da hat mich mein Bauchgefühl nicht getäuscht, ist super, kommt aber an mein Kind nicht wirklich ran.

Egal wie gut oder wie schlecht ein Konzept ist. Alles steht und fällt mit der Bindung des Kindes an die Erzieher. Also völlig egal, welche Fördermaßnahmen angeboten, wie neu die Klos sind oder welche Spielsachen zur Verfügung stehen…auf die Beziehung kommt es an.

 

 

3 Kommentare

  1. Pingback: Mein Kind will nicht mehr in den Kindergarten, sekundäre Trennung und wie Eltern damit umgehen können | mit-kindern-reifen

    • Hallo Melanie, darauf kannst nur du deine Antwort finden. Es gibt bestimmt sehr gute KiTas ( ich kenne leider keine in unserem Ort) genauso wie es gute Tagesmütter gibt. Nach meiner Erfahrung mit einer Kita würde ich nun eine gute Tagesmutter vorziehen, am liebsten eine, die nicht 5 Kinder aufnimmt. Aber auch hier ist das einzig Entscheidende die Bindung deines Kindes zur Tagesmutter. Dafür ist es wichtig, dass du sie magst und und eine Beziehung zu ihr aufbaust. Super wäre natürlich wenn ihr sie schon regelmäßig vor der Eingewöhnung besuchennkpnnt. Das macht unser Kindergarten super. Da können Kinder ab 2 jede Woche einmal mit ihren Mamas zum Spielen kommen, ein Jahr lang. Das hat uns den Übergang enorm erleichtert. Höre auf dein Bauchgefühl.

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