Mama mit herausforderndem Kleinkind

An die müde Mama mit dem herausfordernden Kleinkind.

Wir haben die ersten Jahre fast täglich auf dem Spielplatz bei uns um die Ecke verbracht. Schnell kannte ich jede Mama da und auch jedes Kind. Man kommt ins Gespräch, bzw. ins Spiel, wenn man tagein tagaus am selben Ort ist. Es hat sich eine Gemeinschaft gebildet, in die auch größere Kinder integriert sind.

Vor ein paar Tagen fiel es mir zum ersten Mal auf. Das Bild auf dem Spielplatz hat sich komplett gewandelt. Plötzlich ist meine Tochter nicht mehr die Kleine, nein sie ist die Große! Und die Schulkinder, die letztes Jahr noch liebend gern mit uns gespielt haben kommen nur noch selten.

Ich bin nicht mehr die Mama mit den dicken Augenringen, den zerzausten Haaren und den Zahnpasta Flecken auf dem T-Shirt, die wie im Halbschlaf ihrem Kleinkind auf die Rutsche hinterherkrabbelt.

Nein, ich bin die Mama, die sich entspannt zurücklehnt, ihr großes Mädchen betrachtet, mit den anderen Mamas fröhlich plaudert und fast sowas wie ausgeschlafen ist.

Mütter, die ich noch nie zuvor gesehen habe gesellen sich dazu. Mütter von Kindern, die gerade laufen lernen und Gefallen am Spiel mit all den fremden Besitztümern finden.

Ich sehe die dicken Augenringe bei den Müttern, die Einsamkeit, die sie versuchen mit dem Mobiltelefon irgendwie zu vertreiben.

Ich höre Klagen, die bei mir den Eindruck hinterlassen, dass sie davon überzeugt sind, die einzige Mutter zu sein, die nie schläft, immer mit Kotzflecken das Haus verlässt und es sowieso niemals irgendwem recht machen kann.

 

Denn du weißt nicht, dass ich vor ein paar Jahren genau da war, wo du gerade bist.

Ich kenne das alles und niemals würde ich dich verurteilen. Auch nicht, wenn du den fünften hysterischen Schrei deines Kindes nicht wahrnimmst, weil du einfach mal in Ruhe fünf Minuten auf dem Handy in eine andere Welt abschweifen willst.

Auch ich habe mich wohl mal so gefühlt, stand total neben mir und lernte mit so gut wie keinem Schlaf auszukommen.

Ich sehe Mütter, die sich über ihr Kind ärgern, weil es auch nach dem Hundertsten Mal erklären die fremde Sandschaufel nicht liegen lassen will. Oder weil es in fremde Schuhe beißt, die unachtsam im Sand herumliegen. Weil es die großen Kinder nicht in Ruhe spielen lässt. Oder vielleicht räumt es jede herumstehende Tasche aus und die Mama ist kurz vorm Nervenzusammenbruch.

Was ich euch sagen möchte:

Jede Mama (na ja fast jede!) kann nachvollziehen, wie es dir geht. Wir wissen alle, wie herausfordernd die ersten Jahre sein können und wir wissen auch, dass Kinder nun mal fremde Taschen ausräumen oder sich in das Spiel der Großen einmischen.

 

Du kannst nicht alles verhindern oder dich in alles einmischen. Lass sie mal machen.

Wenn ich nicht möchte, dass mir jemand die Tasche auf dem Spielplatz ausräumt, dann stelle ich sie so hin, dass kein Kleinkind drankommt. Oder ich sage dem Kleinkind nett und freundlich, dass es woanders auspacken gehen darf.

Wenn meine Tochter nicht will, dass deine 1,5-Jährige mit ihren Spielsachen spielt, dann wird sie das verständlich machen und wahrscheinlich mit mehr Effekt als wenn du es deinem Kind zum hundertsten Mal sagst.

Viele Dinge, von denen wir denken, dass sie andere stören, stören in Wahrheit gar nicht. Die meisten Fremden freuen sich über das süße Lächeln eines Kleinkindes, auch wenn es dabei gerade ihre Tasche ausräumt oder ihnen Sand auf die Schuhe kippt.

Dein Leben wäre um einiges einfacher, wenn du dir nicht mehr jeden Schuh anziehen würdest. Anstatt deinem Kind die Spielsachen anderer Kinder wegzunehmen, frage das andere Kind, ob ihr damit spielen dürft oder warte einfach ab, was passiert. Wir müssen Kindern in dem Alter nicht beibringen, zu fragen. Das werden sie irgendwann tun, wenn sie reif genug sind.

 

Noch etwas. Ich habe es auch gemacht und bereue es im Nachhinein etwas.

In jeder freien Sekunde das Handy gezückt und die bitter benötigte Ablenkung herbeigezaubert. Ich verstehe das, ich kann das wunderbar nachvollziehen.

Allerdings musste ich feststellen, dass mir diese pausenlose Beschäftigung mehr geschadet als geholfen hat. Seitdem ich mein Handy zu Hause lasse sind die Spielplatzbesuche meine Entspannungszeit, in der ich wertvolle Kontakte zu anderen Erwachsenen habe. Auch mein Kind spielt viel entspannter wenn es nicht ständig mit meinem Mobiltelefon konkurriert.

Außerdem möchte ich dich ermutigen. Sprich mit anderen Mamas, du wirst feststellen, dass du gar nicht so allein bist und dass ganz viele Mütter einfach nur Verständnis haben und dich überhaupt nicht verurteilen, nur, weil dein Kind das wildeste ist oder mal gerade überhaupt nicht zu hören scheint.

Im Gegenteil, die meisten Mütter, denen ich begegne würden dich jederzeit unterstützen, oder zumindest mit netten Worten besser fühlen lassen. Oder sehe ich das zu rosarot?

 

Wir kennen das alle! (fast all!) die vielen Themen, die dich in den ersten Jahren plagen.

Und zu guter Letzt möchte ich dir gerne sagen (und sage es auch immer wieder zu übermüdeten Mamas, die ich treffe): es wird anders! Ganz anders! Meist von ganz alleine. Genieße jede Phase für das was sie ist. Viele Dinge sind wie sie sind, nimm sie an und genieße. Du wirst diesen Tag nie wieder bekommen mit deinem Kind, also mache ihn zu eurem Tag.

Ach ja, unbedingt brauchst du eine Freundin oder einen Freund – einen Ort an dem du all den Frust ablassen kannst, wo du dich verstanden fühlst und wo dir zugehört wird. Am besten natürlich, wenn dein Kind nicht zuhört…du darfst nämlich auch einfach mal Dampf ablassen, du musst nicht jedem Tag etwas Positives abgewinnen. Das ist schlichtweg nicht möglich.

Lass dich mal durchhängen und tu dir selber leid. Morgen ist ein neuer Tag!

 

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