Beziehung und Bindung, mehr Gelassenheit
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Vom Mut, gegen die Herde zu entscheiden- Frühförderung für uns – nein Danke!

Hier hatte ich vor einer Weile mal darüber berichtet, dass ich das Frühförderprogramm im Kindergarten für meine Tochter abgelehnt hatte. Erst spät wurde mir bewusst, dass sie das einzige Kind ihrer Altersgruppe sein wird, das nicht daran teilnehmen wird.

Da kamen Zweifel auf, ob die Entscheidung die richtige gewesen ist. Schließlich wollte ich mein Kind nicht ausschließen oder irgendwie zu einem „Außenseiter“ abstempeln.

Schon blöd irgendwie. Jeden Dienstag um halb zwei verschwinden alle ihre Freunde in einem Raum, nur sie bleibt draußen.

Zwischendurch hat sie kurz erwähnt, dass sie auch mal mitmachen möchte. Das hat sich aber ganz schnell wieder gelegt.

Wenn ich sie nun Dienstagnachmittags abhole und sie vertieft auf dem Spielplatz des Kindergarten spielt und mittlerweile Freunde in den anderen Altersgruppen gefunden hat, fühle ich mich in meiner Entscheidung bestätigt.

Es gibt nichts Schöneres, als ihr beim Spiel zuzuschauen. Die Ideen kommen aus ihr heraus. Da wird sie von Bibi zu Elsa und plötzlich wieder zum Baby. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. All ihre Emotionen lebt sie im Spiel aus und ich kann ganz genau sehen, welche Themen sie gerade beschäftigen.

Kinder werden heutzutage ständig stimuliert und angeregt. Selten bleibt genug Zeit, um etwas aus dem Kind herauskommen zu lassen.

Meine Tochter ist häufig einfach „voll“, wenn ich sie abhole. Voller Eindrücke, Informationen, Anregungen…und irgendwann läuft das Fass über. Das sind anstrengende Nachmittage, an denen ich hauptsächlich dazu da bin, sie etwas auszugleichen.

Hatte sie aber viel Raum und Ruhe für freies Spiel am Vormittag geht es ihr nachmittags viel besser.

Sie ist so ausgeglichen, wenn ich sie an diesen Tagen abhole. Sie scheint das entspannte Spiel in einer ungewöhnlich kleinen und ruhigen Gruppe sehr zu genießen.

Auch mir geht es häufig so. Den ganzen Tag bin ich irgendwelchem Input ausgesetzt. Ich komme überhaupt nicht dazu, die Menge an Stimulation auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Schon gar nicht komme ich dazu, eigene Ideen zu entwickeln. Dafür brauche ich Raum. Sein, ohne irgendeinen Zweck zu verfolgen. Diese Zeiten des scheinbaren Nichtstuns werden immer kürzer. Dank Handy und Co. sind wir ständig verbunden und mit Informationen konfrontiert. Es gibt immer eine Ablenkung. Wann lassen wir unsere Gedanken einfach mal fließen und sind im Hier und Jetzt? Ich muss mich dazu zwingen, sonst stehe ich den ganzen Tag unter Strom.

Wieso machen wir das mit unseren Kindern? Ich habe nichts gegen Frühförderung aber ich habe etwas dagegen, Eltern zu vermitteln, dass sie ihren Kindern eine wichtige Erfahrung verwehren, wenn sie nicht alles mitmachen, was angeboten wird.

Ich möchte Eltern wirklich ermutigen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und auch mal gegen die Herde zu entscheiden, immer im besten Interesse ihres Kindes. Nur weil alle es tun muss es noch lange nicht das Richtige für mein Kind sein. Einfach mal ein wenig entspannen und sich auf den Entwicklungsplan der Natur verlassen.

Letzten Endes sollen Dinge aus dem Kind herauskommen und nicht pausenlos hineingesteckt werden. Dazu muss man auch mal ein wenig Langeweile riskieren.

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