Kinderpsychologie – Trennung der Eltern
Bevor Eltern sich trennen, machen sie sich in der Regel viele Gedanken darum, wie ihre Kinder die Trennung psychisch verkraften werden.
Logisch, dass Mutter und/oder Vater sich über die Kinderpsychologie bei der Trennung der Eltern Sorgen machen.
Leider wird es auf die vielen Fragen der Eltern, wie meistens im Fall von Trennungen, keine einfache Antwort geben.
Die Situationen sind so individuell, so dass jedes Kind anders reagiert. Hierbei hilft es, grundsätzlich zu wissen, wie Kinder sich entwickeln und was sie dazu benötigen.
Spätfolgen von Trennungskindern: Was du wissen solltest
Gute Nachrichten zu Spätfolgen von Trennungskindern
So ist in dem Buch „Wir erwachsenen Trennungskinder“ von Inke Hummel und Julia Theeg im Vorwort zu lesen:
„Eine Scheidung oder Trennung ist selten der Grund dafür, dass eine psychische Erkrankung ihren Lauf nimmt. Und sie ist nie der alleinige Auslöser, nie die alleinige Ursache dafür. Immer ist es ein Zusammenspiel zahlreicher weitere Faktoren das ins Stolpern bringen kann.“ (S.11)
Es ist schwer, Probleme im Erwachsenenalter direkt auf Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen. Die pauschale Aussage, Scheidungskinder seien beziehungsunfähig, ist nicht haltbar – ebenso gibt es Menschen mit Beziehungsproblemen, deren Eltern zusammengeblieben sind.
Auch Verlustängste, Trennungsängste und weitere Probleme von Scheidungskindern treten auch bei Menschen auf, die die Trennung ihrer Eltern nicht erlebt haben. Es liegt also an uns, die Situation so zu gestalten, dass unsere Kinder nicht noch viele weitere Belastungsfaktoren in ihrer Kindheit erfahren.
Wir können sie begleiten und dafür sorgen, dass sie in einem Netz fürsorglicher Bindungen aufwachsen.
Je früher du eine stabile Lösung für dein Kind geschaffen hast, in der es wieder Vertrauen fassen kann und sich sicher fühlt, desto besser wird es die Trennung seiner Eltern verkraften.
In meinem E-Book Umgangsmodelle nach einer Trennung – dein Weg zu einer stabilen Lösung für dein Kind unter 7 Jahren“ gibt dir dazu wertvolle Impulse.
Wie verarbeiten Kinder eine Scheidung?
Die Bedingungen, damit Kinder auch psychisch gut mit der neuen Situation klar kommen, können wir in Ein-Eltern-Familien natürlich auch schaffen.
Die Reaktion eines Kindes auf eine Trennung hängt stark von den vorherigen familiären Umständen ab. Kinder spüren oft frühzeitig Spannungen und ahnen Veränderungen, lange bevor sie ausgesprochen werden
Für die wenigsten Kinder ist die endgültige Trennung eine echte Überraschung.
Statt sich zu fragen, wie das Kind die Trennung verkraftet, sollten Eltern überlegen, wie sie es dabei bestmöglich unterstützen können.
So unterstützt du dein Kind während und nach der Trennung
Gerade Kinder unter 7 benötigen hierbei eine andere Begleitung als reifere Kinder.
Weshalb ist das so?
- Kinder unter 7 haben ihre Bindungen an die beiden Elternteile noch nicht voll entfalten können. Das braucht mindestens 6 Jahre und wenn die Zeiten schwierig sind, kann sich dies auch etwas verzögern.
- Für kleine Kinder ist es hilfreich, wenn die bestehenden Bindungen durch regelmäßige Kontaktmöglichkeiten beibehalten und vertieft werden.
- In einer Trennungssituation brauchen Kinder die Sicherheit, dass sie mindestens eine Erwachsene, fürsorgliche Person haben, auf die sich verlassen können.
- Bei jeder Entscheidung über den neuen Alltag, sollte unbedingt das bisherige Betreuungsmodell berücksichtigt werden und nur langsam angepasst werden.
Hauruck-Aktionen sind für die Entwicklung der Bindung selten förderlich.
Hier sollte unbedingt geschaut werden, wer sind die Bindungspersonen des Kindes und gibt es eventuell eine Hauptbindung?
Wie können wir die Vertiefung der Bindung trotz der Trennung an beide Elternteile ermöglichen?
Ein Kind, das jahrelang hauptsächlich von einer Person betreut wurde, nach der Trennung der Eltern plötzlich „gerecht“ (fragt sich für wen gerecht) aufzuteilen, ist wenig entwicklungsfördernd.
Auch gewohnte Abläufe und Strukturen sollten wenn möglich, beibehalten werden. Zum Beispiel Besuche bei den Großeltern, Nachmittage bei Freunden oder Freizeitaktivitäten.
Kinderpsychologie bei der Trennung: So begleitest du dein Kind einfühlsam
Kinder verarbeiten eine Trennung unterschiedlich – manche werden laut und wütend, andere ziehen sich zurück oder zeigen kaum sichtbare Reaktionen.
Und trotzdem sollten Eltern sich bewusst machen, dass ihre Trennung für ihr Kind eine Krise ist und es erst mal erschüttert.
Sicherheit, Feinfühligkeit, Geborgenheit und Verlässlichkeit sind hier ein paar Schlagworte, die sich Eltern unbedingt zu Herzen nehmen sollten.
Nachsicht ebenfalls. Das Verhalten des Kindes ist zweitrangig, Eltern sollten über schwierige Verhaltensweisen hinwegsehen und das Kind emotional auffangen und sich auf die Seite des Kindes stellen.
Das Wohl des Kindes sollte bei jeder Trennung an allererster Stelle stehen. Denn das Kind hat sich die Situation nun mal nicht ausgesucht und braucht optimale Begleitung.
Wie diese aussehen kann, darum geht es in meinem E-Book Umgangsmodelle nach einer Trennung – Dein Weg zu einer stabilen Lösung für dein Kind unter 7 Jahren.
Darüber hinaus ist es vielleicht auch sinnvoll, dem Kind weitere Hilfe zur Verfügung zu stellen. Hier können Kinderpsycholog:innen helfen. Aber auch die Caritas, Diakonie oder andere Familienberatungsstellen sind gute Anlaufstellen für eine schnelle Unterstützung.