Eine Trennung mit Kleinkind unterscheidet sich von einer Trennung mit älteren Kindern schon alleine aufgrund des Entwicklungsstandes.
Die Punkte, die ich in dem Artikel aufzeigen werde, können bis zu einem Alter von sieben Jahren angenommen werden.
Es geht im Folgenden also um die Klein-und Vorschulkindzeit gehen.
Eine Trennung mit Kleinkind kann eine echte Herausforderung werden wenn wir nicht verstehen, wo sie in der Entwicklung gerade stehen. Zu verstehen, wie Kleinkinder sich mit 1 Jahr, 2 Jahren, 3 oder 4 Jahren entwickeln, hilft enorm dabei. sie gut durch eine Trennung zu begleiten.
Viele Verhalten, die unsere Klein- und Vorschulkinder zeigen, sind entwicklungsbedingt völlig gesund und normal.
Oft hat ihr Verhalten nicht mal etwas mit der Trennung der Eltern zu tun.
Auch Klein- und Vorschulkinder mit Eltern, die zusammenleben, zeigen ängstliches, aggressives, klammerndes oder sonstiges Verhalten, das wir als auffällig wahrnehmen.
Natürlich werden Klein- und Vorschulkinder durch die Trennung ihrer Eltern erstmal aus der Bahn geworfen. Vieles verändert sich und sie haben überhaupt nicht die Fähigkeit, zu verstehen, was vor sich geht.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir sie nicht mit Informationen überfrachten. Sie müssen jetzt erstmal wissen, was gleich bleibt nach der Trennung mit Kleinkind und was sich ändern wird. Fakten, die feststehen.
Für Kinder ist es wichtig zu wissen, dass sie sicher sein werden und dass die Erwachsenen sich gut um sie kümmern werden. Sie sollten stets das Gefühl haben, dass wir die Lage im Griff haben und uns kümmern.
Im Folgenden werde ich 6 Eigenschaften von Klein- und Vorschulkindern aufführen, die sie so sehr von uns unterscheiden.
Denn diese kleinen Menschen sehen vielleicht so aus wie kleine Erwachsene. Sie funktionieren aber nicht mal ansatzweise so wie wir.
1. Entwicklung der Bindung nach einer Trennung mit Kleinkind
Die Entfaltung einer tiefen Bindung benötigt mindestens 6 Lebensjahre. Klein- und Vorschulkinder haben also ihre Bindungswurzeln noch nicht voll entfaltet.
Sie brauchen dafür noch Zeit und regelmäßige, positive Erfahrungen mit ihren Eltern,
Sehr viele Verhaltensauffälligkeiten von Kleinkindern können mit der Bindung (die noch nicht tief gewachsen ist) erklärt werden. Zum Beispiel schützt das Gehirn des Kindes es instinktiv vor zu verletzenden Bindungen. Wenn es also zu lange von dir getrennt war und dies als sehr schmerzhaft empfunden hat, kann es gut sein, dass es dich erstmal wegstößt, wenn ihr euch wiederseht.
Als Eltern wird in dieser Phase ohnehin schon sehr viel Geduld und Feinfühligkeit abverlangt. Kommt dann noch die Trennung mit Kleinkind 1 Jahr oder älter dazwischen, kann es schon mal drunter und drüber gehen.
Detaillierter gehe ich auf das Thema Entwicklung der Bindung nach der Trennung in meinem E-Book ein. Zu verstehen, wie Bindung sich entfaltet, ist wichtig, damit ihr das passende Umgangsmodell für euer Kind wählt und es bei Übergängen gut begleiten könnt. Hol dir das E-Book „Umgangsmodelle nach einer Trennung. Dein Weg zu einer stabilen Lösung nach der Trennung“ hier.
2. Überbrücken von Trennung
Klein- und Vorschulkinder können Trennungen noch nicht überbrücken. Sie sind schlichtweg nicht für Trennung gemacht. Ein Kleinkind mit 1 Jahr oder auch mit 2 Jahren hat sehr wenig Möglichkeiten, sich trotz räumlicher Trennung mit dir verbunden zu fühlen.
Manche Kinder können bereits mit 5 Jahren Trennungen ganz gut überbrücken. Andere erst mit 7 oder sogar 8. Mit Überbrücken meine ich: Sie fühlen sich trotz Abwesenheit verbunden. Das emotionale Band bleibt bei Trennung bestehen und kann leicht wieder aufgenommen werden, wenn ihr euch wieder seht. Übergänge werden dann also leichter.
3. Hauptbindung nach der Trennung mit Kleinkind
Klein- und Vorschulkinder haben meist eine Hauptbindung. Die Trennung von dieser löst Frustration und Alarm im Kind aus. Die Bindung muss immer wieder aufgenommen und aktiviert werden. Wenn sich die Bindung über die Jahre zu beiden Elternteilen vertieft hat, fällt der Wechsel viel leichter.
4. Kein Mischen der Gefühle
Klein- und Vorschulkinder können nur ein Gefühl zurzeit spüren. Das erklärt die Pendelbewegungen in ihrem Gefühlsleben.
Trennungen mit Kindern im Kleinkindalter bringen besondere Herausforderungen mit sich. Ihre Gefühlsausbrüche können sehr intensiv sein. Von wütend, über traurig hin zu super fröhlich in einer halben Stunde, alles ist möglich.
Aufgrund ihres Entwicklungsstandes. Wenn wir darüber Bescheid wissen, können wir sie viel besser begleiten.
Denn so viele Verhaltensweisen sind ganz einfach normal und richtig. Trotzdem machen wir sie so oft zum Problem.
5. Strukturen und Rituale
Klein- und Vorschulkinder brauchen Strukturen und Rituale. So fühlen sie sich sicher und können sich orientieren. Diese im Chaos einer Trennung zu erhalten oder neu zu schaffen kann eine Herausforderung darstellen.
Manchmal braucht es auch einfach Zeit.
6. Übergänge
Klein- und Vorschulkinder sind nicht für Übergänge gemacht. Der Übergang von einer Bindungsperson zur anderen kann sich schwierig gestalten. Je mehr wir darüber wissen, desto besser können wir sie begleiten.
Wenn sie nicht zu Papa möchten, kann das auch ganz einfach bedeuten, dass sie nicht von Mama weg möchten in dem Moment.
Einmal die Bindung an den Papa aktiviert und sich verabschiedet, kann die Situation ganz anders ausschauen.
Wir können ihnen die Übergänge erleichtern, wenn wir wissen, dass das was wie Ablehnung aussieht, oft keine ist.
Wie ihr die Übergänge stressfreier gestaltet und wie ihr eurem Kind hilft besser mit der Situation klarzukommen erzähle ich dir in meinem E-Book „Umgangsmodelle nach einer Trennung. Dein Weg zu einer stabilen Lösung für dein Kind unter 7 Jahren.“
Das Wissen über Bindung ist essentiell, wenn wir unsere Kinder gut durch die Zeit der Trennung und auch danach begleiten wollen.
Ich kenne Eltern, die sich für das Wechselmodell entscheiden, in dem beide Eltern von Anfang an je hälftig die Zeit mit dem Kind verbringen.
Aus Angst, dass sich sonst nur die Bindung zu einem Elternteil entfalten könnte. So entwickelt Bindung sich jedoch nicht. Zuerst wächst die Bindung mit der Hauptbindung in die Tiefe, bevor sie in die Breite wächst.
Die Hauptbindung kann das Kind dabei unterstützen, andere Bindungen zuzulassen und zu vertiefen.
Je oberflächlicher ein Kind gebunden ist, desto kürzer sollte die Trennung von der Hauptbindung sein. Die Bindung zum anderen Elterneil kann sich dennoch gut entwickeln, wenn die Bedingungen dafür gut sind.
Am Ende geht es darum, die bestmögliche Lösung für diese konkrete Familie zu dem konkreten Zeitpunkt zu finden.
Das beste Umgangsmodell bei Trennungen mit Kleinkind ist das, auf das sich die Eltern einigen können.
Ein Modell, das die Bedürfnisse des Kindes in den Fokus stellt und sich diesen mit der Zeit anpasst.
Es macht einen großen Unterschied, ob die Übernachtung mit 2 Jahren erzwungen wird oder ob Eltern warten, bis das Kind sich weit genug entwickelt hat und von sich aus gerne beim anderen Elternteil übernachtet.
Eltern dürfen sich hier auch die Frage stellen, was es mit den Beziehungen des Kindes zu ihnen macht, wenn es von klein auf entgegen seiner Bedürfnisse gezwungen wird, Trennungen zu erleben, die es noch nicht verkraften kann.
Wenn du es mit einem nicht kooperierenden Elternteil zu tun hast wirst du die Bedürfnisse des Kindes nicht immer zufriedenstellend im Umgangsmodell durchsetzen können. Auch dann kannst du dein Kind gut durch die Trennung begleiten, wenn du seinen Entwicklungsstand im Hinterkopf hast.
In meinem E-Book „Umgangsmodelle nach der Trennung – Finde deine stabile Lösung für dein Kind“ erfährst du, wie du ein passendes Modell für eure Familie findest und welche Faktoren für eine stabile Lösung für dein Kleinkind wichtig sind.
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Dankeschön
Gerne:-) Freut mich sehr, wenn der Artikel dir ein wenig geholfen hat.