Beziehung und Bindung, mehr Gelassenheit
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So klappt der Abschied im Kindergarten bei uns. Wie läuft es morgens bei euch ab? Harmonie pur oder immer mal wieder Anspannung und Stress?

Mir war schon immer wichtig, dass der Morgen entspannt und mit so wenig Stress wie möglich abläuft. Das klappte mal mehr und mal weniger gut. Es ist nun mal stressig, rechtzeitig mit Kleinkind aus dem Haus zu müssen. Hier muss noch gemalt werden und da muss noch eine Puppe verarztet werden.

Immer dann, wenn gerade am wenigsten Zeit ist, fallen den lieben Kleinen die meisten Dinge ein.

Jeden Morgen sehe ich gestresste Eltern und sogenannte bockige Kinder.

Sie scheinen einfach nicht so funktionieren zu wollen wie die Eltern es erwarten. Liegt das eventuell an den Erwartungen?

Ich frage mich dann immer, wozu der Stress? Müssen sich kleine Kinder wirklich zügig alleine ausziehen und müssen sie sich wirklich einfach und unkompliziert verabschieden? Das ist doch absurd. Je stressiger unser Morgen ist, desto schwerer fällt meiner Kleinen der Abschied.

Wenn ich möchte, dass sich meine Tochter die Hausschuhe schnell anzieht, dann übernehme ich das für sie oder mache einen Wettkampf daraus. Meist genießt sie aber den Moment. Denn ich helfe ihr nicht nur beim Umziehen, sondern nähre auch ihr Bedürfnis nach Nähe und gebe ihr das Gefühl, dass ich für sie da bin.

Was soll es langfristig bringen, einem Kind 100 Mal zu sagen (meist in entsprechend alarmierendem Tonfall und über ihm stehend) es solle sich nun schneller umziehen, sonst…?

Immer wenn ich etwas öfters als 2 Mal sagen muss, weiß ich, dass Nähe und Geborgenheit gerade angebracht sind und dass meine Tochter Unterstützung braucht. Denn eigentlich möchte sie mit mir kooperieren.

Nun haben mich die Erzieherinnen letztens darauf angesprochen, dass wir gar kein richtiges Abschiedsritual hätten. Ich war völlig überrascht, denn meiner Meinung nach hatten wir ein Abschiedsritual und zwar ein sehr schönes. Kein kurzes und auch eines, das sich von den anderen unterscheidet, aber meine Tochter und ich sind damit sehr happy.

Je nach Situation dauert es auch mal länger. Das hängt davon ab, wie sehr meine Kleine meine Zuneigung braucht und welche Situation wir im Kindergarten antreffen.

Ich fragte mich, was die Erzieherin damit wohl meinte und fing an, andere Abschiedssituationen zu beobachten.

Dabei stellte ich fest, dass die meisten Kinder in der Garderobe verabschiedet werden. Dort stehen sie dann alleine am Winkefenster und winken ihren Eltern draußen zu. Oft stehen diese Kinder dann orientierungslos in der Garderobe herum oder gesellen sich zu anderen Kindern.

Ich übergebe meine Tochter immer einer Erzieherin und frage diese, ob sie mitgehen kann zum Winken. Je älter meine Tochter wird, desto seltsamer scheint dies aufgenommen zu werden.

Ich möchte mein Kind aber nicht im bindungsfreien Raum einfach stehen lassen.

Es ist so wichtig, sie von einer aktiven Bindung zur nächsten zu übermitteln. Ein paar nette Worte mit der Erzieherin zu wechseln, zu lächeln und zu zeigen, dass wir uns mögen. Schon ist mein Kind an die Erzieherin „angedockt“ und winkt mir freudestrahlend nach.

Kinder sollten nie für die Beziehung verantwortlich gemacht werden. Es kann doch nicht sein, dass mein 4-jähriges Mädchen morgens selber auf die Suche gehen muss nach einer Erzieherin, die sich ihrer annimmt. Das nenne ich nicht Selbständigkeit.

Da ich möchte, dass sie sich im Kindergarten sicher fühlt, ist es mir sehr wichtig, die Beziehung zu ihrer Erzieherin zu unterstützen und zu fördern.

Das habe ich die ganze Zeit völlig intuitiv so gemacht bis mir nun auffiel, dass ich eine der wenigen Mütter bin, die das so macht. Ich trage meine 4,5- jährige Tochter auch noch von der Garderobe zur Erzieherin. Das mache ich so lange, wie ihr das gefällt und so lange mein Rücken es mitmacht. Was ist dabei? So haben wir einen harmonischen Abschied und können daran beim Abholen wieder anknüpfen. Außerdem hat meine Tochter damit ihren sicheren Hafen im Kindergarten.

Ich möchte, dass die Erzieher die Hauptrolle im Kindergarten für sie spielen. Klar hat sie dort viele Freunde und sie spielt mit den anderen Kindern. Ist ja logisch. Aber wenn sie etwas bedrückt oder sie Fragen hat, dann möchte ich, dass sie zu einer erwachsenen Person geht. Kinder können sich gegenseitig sehr verletzen, da ist es wichtig, diesen sicheren Hafen zu haben. Denn wenn sie durch die Bindung an die Erzieherin geschützt ist, können sie verletzende Worte der Kinder nicht so leicht treffen. Die Bindung dient als Schutzschild. Und ja, ich ermuntere mein Kind dazu, zu „petzen“.

Für viele scheint unser Abschiedsritual etwas Gluckenhaftes zu haben. Aber das Ergebnis bestätigt mir immer wieder, dass je fester die Verbindung, desto selbstständiger das Kind.

Was wurde ich anfangs skeptisch begutachtet, wenn ich an manchen Tagen mein Kind wieder mit nach Hause genommen habe. Das kam sehr selten vor. Aber wenn sie sich absolut nicht lösen konnte, steckte immer etwas dahinter. Meist hat sie dann eine Erkältung ausgebrütet.

Das bisschen Geduld am Anfang hat sich langfristig mehr als ausgezahlt.

Es gibt kaum etwas, das eine Beziehung mehr belastet als ein mit Stress und Ungunst gefüllter Abschied. Das macht die Beziehung auf Dauer schwierig und gibt dem Kind ein ganz blödes Gefühl (und der Mama oder dem Papa meistens auch). Es fühlt sich als Last und bekommt nicht selten vermittelt, nichts richtig machen zu können. So möchte ich meine Tochter nicht zurücklassen. Denn so könnte ich mich gar nicht auf meine Arbeit konzentrieren.

Wenn der Abschied schwierig ist, gibt es viele Dinge, die man ausprobieren kann. Der erste Schritt ist, selbst eine gute Beziehung zu den Erziehern aufzubauen und dann dafür zu sorgen, dass das Kind eine gute Bindung zur Betreuungsperson aufbaut. Es gibt unzählige Wege, dies zu tun…oft brauchen unsere Kinder dabei unsere Unterstützung.

Wie läuft bei euch der Abschied morgens ab? Über deinen Kommentar freue ich mich.

 

 

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