Beziehung und Bindung, Handynutzung von Kindern
Kommentare 1

Medienkonsum und Süßes als Ersatzbefriedigung

Immer wieder kommen Eltern auf mich zu und beklagen sich über den Medienkonsum ihrer Kinder. Bereits kleine Kinder im Alter von 2 Jahren schauen fern und fordern dies auch für sich ein.

Bei mir triggert das Verlangen meiner Tochter nach dem Fernsehen irgendetwas. Bevor sie zur Welt kam hatte ich zwei Jahre lang keinen Fernseher und ich könnte auch weiterhin gut ohne tägliche Berieselung leben. Vielleicht nervt es mich deshalb gerade so, dass meine Tochter vehement ihre Sendungen einfordert.

Dann gibt es die Fraktion Eltern, die schon Kleinkinder ihren Medienkonsum selbstbestimmt entscheiden lassen. Dazu gehöre ich nicht. Kinder wissen immer, was sie gerade wollen, aber sie wissen nicht immer, was sie gerade brauchen.

Bei meiner Tochter habe ich die Beobachtung gemacht, dass sie immer dann den Fernseher einfordert, wenn sie eigentlich etwas ganz anderes braucht.

Der TV lenkt sie dann von ihrem Mangel ab, betäubt sie sozusagen. Das hört sich jetzt drastisch an, aber genau das ist mein Eindruck. Dasselbe gilt bei uns auch oft auch für Süßigkeiten.

Gestern hatte ich so einen Aha-Moment. Nach dem Kindergarten kamen wir die Tür herein und das Erste, was sie forderte war etwas Süßes. Im zweiten Atemzug fragte sie nach dem Fernsehen.

Meine Kleine darf am Tag eine halbe Stunde fernsehen. Ich achte allerdings darauf, dass sie dies nicht tut um sich von etwas Anderem abzulenken.

Als ich nämlich gestern auf ihre Forderung damit antwortete, dass ich eigentlich vorhatte, mit ihr zu puzzeln war sie direkt sichtlich erleichtert und der Nachmitttag verging wie im Flug, ohne dass sie den Fernseher nochmal erwähnte. Sie hatte versucht, den Mangel an Nähe, der durch die Trennung am Vormittag durch den Kindergarten entstand, durch Süßigkeiten und TV zu füllen.

In solchen Momenten denke ich mir immer wieder mal, es wäre so einfach, sie vor eine Serie zu setzen und meinen Kaffee in Ruhe zu genießen. Vielleicht würde ihr das sogar gar nicht schaden. Aber irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass es ihr nicht guttun würde.

Also wann immer Eltern sich bei mir Rat suchen, was den Medienkonsum ihrer Kinder angeht antworte ich mit: „Es kommt immer auf die Alternative an.“

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass eine Aktivität mit mir dem Fernseher noch immer vorgezogen wurde. Außerdem beschäftigt sich meine Kleine dann, wenn der Beziehungstank erstmal wieder gefüllt ist auch wieder mit sich selbst. Mein Kaffee muss dann eben eine Stunde warten. Dann kann ich ihn aber in Ruhe genießen, während ich meinem Kind im kreativen Spiel zuschaue und mich darüber freue, was für ausgefallene Ideen sie entwickelt.

 

1 Kommentare

  1. Pingback: Wieso Selbstregulation beim Essen nicht immer förderlich für die Kind-Eltern-Bindung ist | mit-kindern-reifen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.