Beziehung und Bindung
Schreibe einen Kommentar

Dein Kind genießen – es einfach mit anderen Augen sehen

Mein Kind genießen, das ist mein Anspruch. Die Zeit, in der es klein ist einsaugen und bewusst erleben.

Mit meiner Tochter glücklich sein, Blödsinn machen, sie verstehen, mit ihr die Welt entdecken, mit ihr traurig sein, sie auffangen.
Oft geht die Leichtigkeit mit der Geburt eines Kindes verloren. Ich finde das so schade. Auch ich war in den ersten beiden Lebensjahren sehr angespannt und gestresst. Es war sehr herausfordernd, wenig Schlaf, viel Stress und 24/7 auf Abruf.

Keine Pause und falsche Erwartungen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass sich fast alles von alleine wiedergibt, hätte ich die Situation vielleicht besser annehmen können.
Aus heutiger Sicht hätte ich mein Leben einfach für 2 Jahre etwas auf Zeitlupe gesetzt und die Zeit mehr genossen.
Was ich schon relativ früh gemerkt habe war, dass es nichts bringt etwas zu tun, was uns alle stresst. Durch meine Tochter habe ich gelernt, „NEIN“ zu sagen.
So fing ich an, alles, was nicht in unseren Tagesablauf passt, zu vermeiden. Ich ging in eine Krabbelgruppe, nur als meine Kleine bereits anfing zu krabbeln und den andere Kindern im Gesicht herumzuspielen, während die noch nicht krabbeln konnten, beschloss ich, dass es nun reichte.
Die Treffen strengten mich mehr an, als dass sie mir gutgetan haben. Über die Diskussionen, wer nun das anstrengendste Kind hat, kann ich im Nachhinein schmunzeln.
So lehnte ich eine “Verpflichtung” nach der anderen ab und bin damit sehr gut gefahren. Mit meiner Kleinen Auto zu fahren war Stress pur, also wurde nur noch der Kinderwagen und die Trage genutzt.
Als sie dann mit 18 Monaten sehr „grob“ zu anderen Kindern war ging ich auch diesen Situationen aus dem Weg. Auf dem Spielplatz gab es nur Ärger, denn sie war einfach den Situationen noch nicht gewachsen.
Damals wusste ich noch nicht viel über Entwicklungspsychologie. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich auf mein Bauchgefühl und mein Stressempfinden gehört habe.
Ich ging schlichtweg Situationen aus dem Weg, in denen meine Tochter überfordert war. Dies zeigte sie deutlich in sehr anstrengendem Verhalten.
Dadurch habe ich mir sehr viel Stress, sehr viel schuldzuweisende Blicke und kopfschüttelnde Reaktionen erspart. Meiner Tochter blieb dadurch viel Schimpfen und Scham erspart.
Nun ist sie 3,5 Jahre und mittlerweile klappt es fast immer mit den anderen Kindern auf dem Spielplatz. Und wenn sie einen schlechten Tag hat, lasse ich mir eine Ausrede einfallen, wieso wir nun nach Hause gehen.
Mit 3-er Konstellationen hat sie nach wie vor ihre Schwierigkeiten. Also ziehe ich mich zurück, wenn ihr Vater kommt oder wenn wir bei Oma und Opa zu Besuch sind.
Ich weiß ja, dass das nicht ewig so bleiben wird. Wenn sie reif genug ist, wird sie mit mehr als einer aktiven Bindung umgehen können. Bis dahin lehne ich mich zurück und schaue ihr entspannt bei ihrer Entwicklung zu.
Kleinkinder und Vorschulkinder werden so oft falsch gedeutet und oft denken die verantwortlichen Erwachsenen, sie müssten eingreifen, konsequent sein und das Kind in der Situation zurechtweisen.
Mein inneres Stoppschild blinkt in diesen Situationen auf und signalisiert mir: Situation beenden, meine Würde und die Würde meines Kindes wahren und wenn nötig, den umherstehenden Menschen signalisieren, dass darüber noch geredet wird.

Vorschulkinder wissen, wie sie es besser machen können. Sie können es meist noch nicht besser machen. Da helfen auch die besten Absichten nicht. Ihr Gehirn ist dazu gar nicht in der Lage. Es macht also auch keinen Sinn, ihnen die Verantwortung für ihr Handeln zu geben oder sie mit Konsequenzen zu bestrafen. Das belastet die Beziehung, was dazu führen kann, dass das Gehirn mit Panzerung beschäftigt ist anstatt mit der nötigen Reifung.
Wenn du dein Kind mit diesen Augen siehst, dann wirst du es noch mehr genießen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.